Politik : Weltweiter Waffenhandel in Rekordhöhe

Barbara Junge

Berlin - Der Krieg im Irak und die militärische Operation der USA in Afghanistan haben die weltweiten Rüstungsausgaben im vergangenen Jahr in Rekordhöhen getrieben. Insgesamt stiegen 2005 die Aufwendungen für Kriegsmaterial auf umgerechnet 885 Milliarden Euro. Das bedeutet eine Steigerung von 3,4 Prozent zum Jahr davor und 34 Prozent Steigerung in den vergangenen zehn Jahren wie das Internationale Friedensforschungsinstitut in Stockholm (Sipri) am Montag bei der Vorstellung des Jahrbuchs über Rüstung und Abrüstung 2006 mitteilte.

Die USA dominierten dabei den Welttrend, 80 Prozent der gestiegenen Ausgaben entfielen auf sie. „Die immense Steigerung bei den Ausgaben der USA ist zu großen Teilen den andauernden kostspieligen militärischen Operationen in Afghanistan und im Irak zuzuschreiben“, heißt es dazu im Jahrbuch. Aber auch in absoluten Zahlen sind die USA an der Spitze. Fast die Hälfte, 48 Prozent, der weltweiten Ausgaben gehen von ihren Konten ab. Mit großem Abstand folgen Großbritannien, Frankreich, Japan und China mit je vier bis fünf Prozent der weltweiten Ausgaben. Die Rekordsumme von 885 Milliarden Euro entspricht 137 Euro pro Kopf der Weltbevölkerung oder 2,5 Prozent des Weltsozialproduktes.

Und nach einem Rückgang bis 2003 wächst der Warenwert der gehandelten Militärgüter jetzt wieder. 2004, die letzte errechnete Zahl, umfasste der Waffenhandel zwischen 34 und 41 Milliarden Euro weltweit. Die größten Exporteure sind Russland und die USA mit jeweils etwa 30 Prozent, Frankreich, Deutschland und Großbritannien. Die EU insgesamt allerdings ist der größte Waffenexporteur der Welt. Aber auch China und Indien entwickeln sich nach Sipri-Erkenntnissen zu wichtigen Rüstungsexporteuren.

Nach Erkenntnissen von Amnesty International indes entwickelt sich China zu einem der „weltgrößten, verdecktesten und unverantwortlichsten Rüstungsexporteure“. Ein Bericht, den die Menschenrechtsorganisation jetzt vorgestellt hat, zeige, „wie chinesische Waffen geholfen haben, brutale Konflikte und kriminelle Gewalt etwa im Sudan, in Nepal, Birma und Südafrika zu stützen“. Allerdings zeige der Bericht auch die Verwicklung westlicher Firmen in die Produktion dieser Waffen.

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