Politik : Wende in Jugoslawien: Opposition übernimmt die Macht in Belgrad

Jugoslawien strebt einen schnellen und friedlichen Übergang zur Demokratie an, nachdem das Volk mit einem fast unblutigen Aufstand das jahrelange Joch des Milosevic-Regimes abgeschüttelt hat. Der gewählte Präsident Vojislav Kostunica will zügig eine Übergangsregierung einsetzen.

In der Belgrader Innenstadt und in zahlreichen anderen Städten versammelten sich am Freitag wieder mehrere zehntausend Oppositionsanhänger zu neuen Kundgebungen. Die Lage in Belgrad wurde von Augenzeugen als "ruhig und fröhlich" beschrieben.

Russlands Außenminister Igor Iwanow traf den Oppositionsführer Kostunica am Freitag in einem Büro des entmachteten Präsidenten Slobodan Milosevic, wie der russische Fernsehsender RTR berichtete. Zuvor habe Iwanow bereits den jugoslawischen Außenminister Zivadin Jovanovic getroffen, berichtete der Sender.

Der jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic war am Freitag unterdessen erstmals seit seinem Sturz im jugoslawischen Fernsehen zu sehen. Die Belgrader Nachrichtenagentur Beta berichtete, der Sender YU-Info habe Bilder von ihm mit dem russischen Außenminister Iwanow und dem jugoslawischen Außenminister Zivadin Jovanovic gezeigt.

Kostunica hatte die Bürger nach dem Aufstand zur Zurückhaltung aufgerufen und betont: "Das ist ein großer Moment in der Geschichte, der helfen kann, Frieden im Land zu schaffen". Er versprach seinen Landsleuten Demokratie, Meinungsfreiheit und wirtschaftlichen Aufschwung und rief zur Versöhnung auf. Innerhalb von 18 Monaten sollen eine neue Verfassung ausgearbeitet und danach Neuwahlen abgehalten werden. Den vom UN-Kriegsverbrechertribunal angeklagten Milosevic wolle er nicht an Den Haag ausliefern.

Der neue Präsident hat bereits die volle Unterstützung der internationalen Gemeinschaft einschließlich Russlands. Präsident Wladimir Putin erkannte Oppositionsführer Kostunica als neuen Staatschef an. Die Bundesregierung will den "dramatischen Akt der Selbstbefreiung" des serbischen Volkes unterstützen. Nur China zeigte sich "ernsthaft besorgt".

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