Wende-Rede : Präsidialamt geht auf Distanz zu Redepassagen

Das Bundespräsidialamt hat auf Zweifel an einigen Passagen der Leipziger Wende-Rede von Bundespräsident Horst Köhler reagiert und ist im eigenen Online-Auftritt auf Distanz gegangen.

Berlin - Bei der Rede zum 20. Jahrestag der Leipziger Montagsdemonstration hatte Köhler vor gut einer Woche geäußert, am 9. Oktober 1989 seien von der DDR- Staatsmacht „Blutplasma und Leichensäcke bereitgelegt“ worden. Dies wurde von Zeitzeugen als falsch zurückgewiesen. Auch hätten keine Panzer vor der Stadt gestanden.

Auf der Internetseite des Bundespräsidenten wurde die Passage inzwischen mit einem Sternchen-Vermerk versehen. Darin wird eingeräumt, dass man sich auf das Buch eines Historikers verlassen habe, der für die von Köhler übernommenen Angaben wohl keine ausreichenden Belege habe. „Die Prüfung dauert an“, sagte Sprecher Martin Kothé am Sonntag. „Offiziell besteht kein Anlass zu neuen Stellungnahmen.“

Wörtlich heißt es auf der Seite nun: „Die mit * gekennzeichneten Aussagen zur Bereitstellung von Panzern, Blutkonserven und Leichensäcken sind der zweibändigen Studie „Die Friedliche Revolution. Aufbruch zur Demokratie in Sachsen 1989/90“ von Michael Richter entnommen. Sie ist 2009 als Sonderdruck von der Sächsischen Landeszentrale für Politische Bildung Dresden herausgegeben worden. Der Autor hat nach der Rede des Bundespräsidenten in einem Interview geäußert, er habe für diese Angaben noch keine ausreichenden Belege, es sei weitere Forschung nötig.“ Richter selbst sagte: „Ich hätte es kritischer prüfen müssen, ich ärger’ mich auch darüber.“ 99 Prozent der Informationen in seinem Buch seien richtig. „Aber wie es nun mal ist: Das eine Prozent, das nicht stimmt, fällt auf einen selber zurück.“ dpa

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