Politik : Weniger Kriege – mehr Konflikte

Philipp Lichterbeck

Berlin - Die Zahl kriegerischer Auseinandersetzungen ist im Jahr 2005 leicht zurückgegangen. Die Hamburger Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (Akuf) zählte weltweit 39 Kriege und bewaffnete Konflikte. Im Vorjahr waren es noch 42. Von den aktuellen Auseinandersetzungen stufte die Akuf 28 als Kriege ein und elf als bewaffnete Konflikte. Die Zahl der Kriege erreichte damit laut Akuf den tiefsten Stand seit Mitte der sechziger Jahre. Die meisten Kriege habe es 1992 mit 55 gegeben.

Das Heidelberger Institut für internationale Konfliktforschung kommt zu einem ähnlichen aber differenzierteren Ergebnis. Da das Institut gewaltsame Konflikte weiter definiert als die Akuf, zählt es für 2005 insgesamt 98 solcher Auseinandersetzungen, zehn mehr als 2004. Aber nur 24 davon seien mit „hoher Intensität“ ausgetragen worden und das seien 14 weniger als im Vorjahr.

Die Entwicklungsländer sind beiden Studien zufolge am stärksten von kriegerischen Konflikten betroffen. Die meisten finden in Afrika und Asien statt. Obwohl zwischenstaatliche Konflikte mehr Aufmerksamkeit erhalten, spielen innerstaatliche Konflikte die Hauptrolle. Dabei geht es vorrangig um Machtverteilung oder Unabhängigkeitsbestrebungen.

Der Koordinator der Akuf-Studie, Wolfgang Schreiber, führte die Abnahme der Kriege in erster Linie auf erschwerte Waffenlieferungen nach dem Ende des Ost-West-Konflikts zurück. Er sagte: „Die USA und die UdSSR verschickten während des Kalten Krieges Waffen an wen sie wollten. Heute muss man die Waffen bezahlen und es gibt eine stärkere Bereitschaft, Lieferungen zu unterbinden.“ Das Heidelberger Institut bringt die Abnahme „hoch intensiver“ gewaltsamer Konflikte mit einem stärkeren Engagement der UN in Krisengebieten in Verbindung.

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