Politik : Wenn Bush am Esstisch schweigt

Malte Lehming

New York - Die US-Regierung habe ohne Not den Irakkrieg vom Zaun gebrochen, schimpft die Opposition. Unsinn, entgegnet Laura Bush, Amerikas First Lady. Sie steht an diesem Abend, es ist der zweite des Parteitags der Republikaner, im Rampenlicht. Ihre Aufgabe ist es, der Nation den Menschen George W. Bush näher zu bringen. Also erzählt sie, wie er mit sich rang vor der Entscheidung zum Krieg, wie still es abends manchmal am Esstisch war, wie intensiv er die Sache unter anderem mit Tony Blair diskutierte. „Kein amerikanischer Präsident will in den Krieg ziehen“, sagt sie. „Aber mein Mann wusste, dass die Sicherheit unseres Landes und der Welt davon abhingen.“

Es ist der Tag der Gefühle. Die Konservativen wollen zeigen, dass ihnen auch das Menschliche nicht fremd ist. Die Losung vom „compassionate conservatism“, dem mitfühlenden Konservatismus, mit dem Bush vor vier Jahren in den Wahlkampf gezogen war, wird wiederbelebt. Da dürfen auch die 22-jährigen Zwillingstöchter Jenna und Barbara nicht fehlen. Sie haben ihren ersten landesweit übertragenen Fernsehauftritt. Und von der Tribüne winken den 10 000 Delegierten Bush senior und dessen Frau zu. Vor 27 Jahren haben Laura und George W. geheiratet. Ihr Mann sei immer noch wie damals, schwärmt seine Gattin – pünktlich, zuverlässig, offen. Außerdem behandelt er jede Person „mit Würde und Respekt“. Und die beiden Kriege – Afghanistan und Irak? Als Ergebnis lebten heute „50 Millionen Menschen mehr in Freiheit“.

Vor Laura Bush durfte Arnold Schwarzenegger sprechen. Er lobt, wie offen Partei und Land für Einwanderer seien. „In mir hat sich ein Immigrantentraum erfüllt.“ Frenetisch freilich klatscht die Basis an anderen Stellen. Ein guter Republikaner glaube daran, sagt der Gouverneur von Kalifornien, „dass Amerika und nicht die UN die beste Hoffnung für die Demokratie“ sei. Absichtlich wiederholt er einen Begriff, mit dem er sich schon in Kalifornien viel Ärger einhandelte. Wer die Aussichten der US-Wirtschaft pessimistisch beurteile, ruft der Muskelprotz, sei ein „girlie man“ (frei übersetzt: Weichling). Um Bush nicht die Schau zu stehlen, hat „Arnie“ sich aber ungewohnte Zurückhaltung auferlegt. Er gibt keine Fernsehinterviews, tritt nicht in Talkshows auf. Einpeitschen darf er die Gemeinde, glänzen muss ein anderer.

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