Politik : Wenn Wirtschaftsprüfer nicht mehr weiterwissen

Schon im Fall Holzmann brachten die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young einen dicken Stein ins Rollen: Bei der Begutachtung eines Immobilienprojektes entdeckten sie bis dahin unbekannte Verluste von mehreren Hundert Millionen Mark. Der Frankfurter Baukonzern ließ genauer nachschauen - und stand kurz darauf mit einem Finanzloch von 2,4 Milliarden Mark knapp vor der Pleite. Bei der CDU hatten die Prüfer des schwäbischen Traditionshauses, das mittlerweile zum weltweit agierenden Finanzdienstleister Ernst & Young gehört, nun die gegenteilige Aufgabe: Die CDU hat elf Millionen Mark zu viel - und wüsste gern woher.

Für die Wirtschaftsprüfer hatte der Fall Holzmann allerdings einen Vorteil: Dort floss kein Bargeld. Genau dieses "Köfferchen-Geld" sei aber das große Problem, wenn es um die Prüfung einer Partei gehe, heißt es in Prüferkreisen. Die Kontrolle von Parteien sei wegen des Bargeld-Flusses wesentlich schwieriger als die von Unternehmen. Fast alle Firmen hätten seit Jahren ihre Barkassen abgeschafft, es gebe interne Kontrollen. Anders die Parteien: "Wenn Barspenden dort nicht im Rechenwerk auftauchen, sind die Prüfer chancenlos. Eigentlich müsste deshalb die Barzahlung bei Parteien verboten werden", heißt es in Prüferkreisen. Bei einem Automobilhersteller etwa lasse sich mittels der Produktion und des Absatzes hochrechnen, wie hoch die Einnahmen waren. Bei den Spenden aber gebe es keine augenscheinliche Gegenleistung.

Mit Ernst & Young hat die CDU ein Traditionshaus verpflichtet, bei der Aufklärung der Spendenaffäre zu helfen. Mit Price Waterhouse Coopers, KPMG Deutsche Treuhand, Arthur Andersen und BDO Deutsche Warentreuhand bilden die Stuttgarter die Spitze der Branche. Rund 2300 Mitarbeiter erzielten 1998 in der Stuttgarter Zentrale und den 30 deutschen Niederlassungen allein mit Wirtschaftsprüfungen einen Umsatz von 306 Millionen Mark.

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