• „Wer andere Länder besetzt, darf sich nicht wundern“ Wie Möllemann seine Ansichten zum Nahost-Konflikt verteidigt

Politik : „Wer andere Länder besetzt, darf sich nicht wundern“ Wie Möllemann seine Ansichten zum Nahost-Konflikt verteidigt

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Von Karsten Plog, Hamburg

An diesem Mittwochabend im Hamburger Congress Centrum war Jürgen Möllemann richtig obenauf. Mit stehend dargebrachtem Applaus wurde er begrüßt, als er auf Einladung des Deutsch-Syrischen Vereins Hamburg das Wort zum Thema „Gewalt im Nahen Osten – Gründe, Perspektiven und die Rolle Europas“ ergriff. „Natürlich freue ich mich, wenn ich mit freundlich gesinnten Menschen ein Gespräch führen kann“, sagte er. Vor allem Deutsche arabischer Abstammung und Zuhörer aus arabischen Ländern waren gekommen. In der Sache blieb der FDP-Vize bei seinen Aussagen: Israels Premier Ariel Scharon sei der Mann, „der das Werk von Jitzhak Rabin mit Füßen tritt". Und: „Wer anderer Leute Länder besetzt, darf sich nicht wundern, wenn die sich wehren." Als Oberleutnant der Reserve und Fallschirmjäger wisse er, „wenn ich angegriffen werde, würde ich mich wehren, auch im Land des Aggressors.“ Allerdings sei es „kein legitimes Mittel, in eine Diskothek zu gehen, wo 20-jährige Jungen und Mädchen tanzen, und die in die Luft zu sprengen".

Möllemann forderte eine Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit nach europäischem Vorbild, an dem alle Staaten des Nahen Ostens teilnehmen müssten, auch Libyen und der Irak. Eines der Ziele müsse die garantierte Existenz zweier gleichberechtigter Staaten Israel und Palästina sein. Zum Schluss wieder großer Beifall für den Redner, der nach den Worten des syrischen Konsuls in Hamburg der erste deutsche Politiker ist, der den Mut hat, Israel zu kritisieren und eigene Lösungsvorschläge zu entwickeln. Möllemann mache es möglich, so ein in Syrien geborener Zuhörer, im Herbst dieses Mal FDP zu wählen.

Der von Möllemann zunächst in die FDP-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag geholte, mittlerweile aber ausgetretene Ex-Grüne Jamal Karsli will den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, und dessen Stellvertreter Michel Friedman verklagen. Spiegel und Friedman müssten den Antisemitismus- Vorwurf gegen ihn zurücknehmen, sagte Karsli in Düsseldorf. Das sei Verleumdung und Rufmord. (mit dpa)

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