Politik : Wer führt die CSU-Bundestagsliste an?

Die bayerische Regierungspartei ist gespalten: Soll Parteichef Horst Seehofer die Liste zur Bundestagswahl 2009 als Spitzenkandidat anführen - oder der Chef der Landesgruppe, Peter Ramsauer?

Robert Birnbaum

Berlin - Die Frage, wer ihr nächster Spitzenkandidat für die Bundestagswahl wird, ist für Parteien im Allgemeinen einfach zu beantworten: die Nummer eins natürlich. Auch die CSU ist lange Zeit danach verfahren. Neuerdings ist die Sache aber kompliziert. Weshalb es neuerdings eine Nachricht ist, dass Bundeswirtschaftsminister Michael Glos am Donnerstag in München gesagt hat, dass der Parteivorsitzende schon immer zugleich der Spitzenkandidat gewesen sei und man an dieser Tradition festhalten solle.

Dazu muss man nun wissen, dass die Spitzenkandidatenfrage seit Tagen ein Politikum ersten Ranges zwischen der CSU, Ausgabe Berlin, und der CSU, Ausgabe Bayern, ist, genauer: zwischen dem CSU-Landesgruppenvorsitzenden Peter Ramsauer und seinem Parteichef Horst Seehofer. Als Seehofer frisch gekürt war, hat ihn Ramsauer beim gemeinsamen öffentlichen Auftritt forsch zur Nummer eins auch für die Bundestagswahl ausgerufen. Seehofer hat nicht widersprochen, die Sache schien klar. Bis vor kurzem Ramsauers Name in der Münchner Gerüchteküche auftauchte – allerdings in negativer Wendung: Eigentlich müsse der Listenführer die Nummer eins in Berlin sein, mithin Ramsauer – aber Seehofer traue dem die Zugnummer nicht zu.

Richtig daran ist zumindest, dass Seehofer von Ramsauer keine hohe Meinung hat. Vor dem versammeltem CSU-Vorstand hat er sogar mehr Einsatz von seinen Berlinern verlangt. Ramsauer ging prompt mit dem Ruf nach Steuersenkungen an die Öffentlichkeit – nur um anderntags in der Zeitung zu lesen, dass es wieder nicht recht war. Der Eindruck, da werde ihr Frontmann gezielt gemobbt, ließ aber die Landesgruppe zusammenrücken. Aus deren Vorstand bekam Ram sauer Solidaritätsbekundungen.

So war der Stand, als der „Münchner Merkur“ am Mittwoch meldete, Seehofer erwäge jetzt ernsthaft den ersten Listenplatz für sich. Auf den Bericht reagierte Seehofer regelrecht gereizt. „Das ist absoluter Mist!“, schimpfte er. Wer die Nummer eins werden soll, hat er aber immer noch nicht gesagt. Dafür reden jetzt andere. Zum Beispiel der Chef der Jungen Union in Bayern, Stefan Müller. Der Parteichef sei der „geborene Spitzenkandidat“, aber der müsse sich selbst entscheiden – wenn Seehofer ablehne, sei natürlich Ramsauer „erste Wahl“. Müller ist Bundestagsabgeordneter und also Mitglied der Landesgruppe. Glos wiederum garnierte seinen Hinweis auf die Tradition mit einer Spitze: Der Parteichef solle auch deshalb die Liste anführen, weil er sowieso „die Verantwortung für den Erfolg oder Misserfolg“ trage.

Weil das ja ohne Zweifel stimmt, muss Seehofer jetzt schon sehr gute Gründe finden, falls er nicht antreten will. Allein der Hinweis, es sei sinnlos, sich um einen Sitz im Bundestag zu bewerben, den man nie haben wollte, ist vielleicht doch zu wenig. Zugleich aber legen Glos und Müller jedem Versuch Steine in den Weg, einen lachenden Dritten auf den ersten Listenplatz zu setzen. Dass Seehofer das gerne hätte, geistert als Gerücht durch München. Doch spätestens jetzt wäre klar: Das wäre nur noch möglich um den Preis, Ramsauer offen zu demontieren.

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