Politik : Wer geht?

-

blickt zurück im Groll. Keiner trägt wie er die Spuren des jahrelangen Machtkampfs von Willy Brandts Enkeln. 1993 wurde er auf dem Weg der Urabstimmung SPDVorsitzender. Sein Sturz beim Mannheimer Parteitag 1995 hat SPD-Geschichte geschrieben. Schröders Verteidigungsminister wurde er 1998, weil Oskar Lafontaine, damals SPD-Chef, ihn als SPD-Fraktionschef loswerden wollte. Scharping, wegen seines Temperaments auch als „Entdeckung der Langsamkeit“ verspottet, führte sein Amt nicht schlecht und scheiterte an sich selbst. Nicht nur die SPD empfand seine Selbstinszenierung als Frischverliebter am Pool als lächerlich. Er trat nicht zurück, als Rechnungen über seine teuren Socken präsentiert wurden. Der Bundeskanzler entließ ihn 2002, kurz vor der Bundestagswahl. tib

* * *

Vielleicht ist Rezzo Schlauch ein zu menschlich fühlender Politiker, um dorthin zu gelangen, wo die Luft laut seinem Freund Joschka Fischer sehr dünn ist – ganz an die Spitze. Fischer war es, der Schlauch nach der Wahl 2002 als Fraktionschef absägte, was viele für immer verbittert hätte. Der Rechtsanwalt aus Stuttgart aber brach nicht mit dem Außenminister. Er zog sich auf den Posten eines Staatssekretärs im Wirtschaftsministerium zurück, wovon seine Partei wenig profitierte. Lange vor der Krise entschied er, nicht mehr anzutreten. Der Pfarrerssohn war der erste prominente Grüne, der eine schwarz-grüne Zusammenarbeit ins Gespräch brachte – Mitte der neunziger Jahre. Wenn in Baden-Württemberg nach der Wahl 2006 erstmals eine Koalition von CDU und Grünen regierte, wäre das auch sein Verdienst. hmt

* * *

Mit Volker Rühe hat die CDU immer ihre Probleme gehabt, und er mit ihr. Dabei deuten die äußeren Daten auf eine lupenreine Parteikarriere des bald 63-Jährigen, von der Jungen Union über Helmut Kohls dritten Generalsekretär bis zum Verteidigungsminister. Auf dem Weg zum Ministerpräsidenten in Kiel an Kohls Spendenaffäre gescheitert, war er zuletzt Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags. Doch Rühe, der ein herzlicher Polterer sein kann, aber auch ein unleidlicher Sturkopf, stand oft am Rand. Mal hat ihn Kohl dort abgestellt, mal hat er selbst sich dort postiert, weil er sich der Parteiräson nicht beugen wollte. Und das bis zuletzt. So ist Rühe eindeutig für die EU-Mitgliedschaft der Türkei. bib

* * *

Rainer Funke scheidet wider Willen aus. Er unterlag in Kampfabstimmung um Listenplatz eins in Hamburg. Der in Berlin geborene Jurist wäre gerne zum siebten Mal für die FDP in den Bundestag eingezogen. Dort gehörte er zu den unauffällig Wichtigen. Funke wusste immer, an welcher Strippe man ziehen musste. In fast acht Jahren als Parlamentarischer Staatssekretär im Justizministerium war er graue Eminenz eines Hauses, das bei jedem Gesetz mitzureden hat. Funke redete mit. Kurz vor dem 65.Geburtstag muss er nun den Sitz im Bundestag räumen. Dass er dann eben als Privatier weiter Strippen ziehen wird, gilt als ausgemacht. bib

0 Kommentare

Neuester Kommentar