Politik : Wer glaubt, gewinnt

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Von Ingo Wolff

Berlin. Peter Vaas saß nach dem souveränen Sieg gegen Frankfurt Galaxy auf der Pressekonferenz am Podium, und seinen Mund umspielte dieses gütige Lächeln. Es war ein nachsichtiger Gesichtsausdruck für all seine Kritiker, die ihn nach dem dritten Spieltag am liebsten zurück in die USA geschickt hätten. Der 50-jährige Amerikaner musste sich zum damaligen Zeitpunkt mit der Frage beschäftigen, wie der World-Bowl-Sieger der NFL Europe nach drei Niederlagen in Folge eigentlich den Titel verteidigen will. Doch der Trainer von Berlin Thunder war auch nach dem Fehlstart überzeugt: Sein Team schafft es erneut ins Finale und verteidigt als erstes Team in der europäischen Footballliga seinen Titel. „Vor einigen Wochen haben mir die meisten Leute nicht geglaubt, als ich nach drei Niederlagen immer noch gesagt habe: Dies ist ein gutes Team. Ich habe daran geglaubt und vor allem auch die Mannschaft. Sie haben gekämpft und jetzt den verdienten Lohn erhalten.“ Vaas meinte damit den Sieg im letzten und entscheidenden Spiel der regulären Saison gegen Frankfurt Galaxy. Berlin Thunder gewann souverän mit 27:7 (7:7, 3:0, 7:0, 10:0) und verteidigt am 22. Juni im Düsseldorfer Rheinstadion gegen Gastgeber Rhein Fire den World Bowl.

Es ist das vorletzte Kapitel einer außergewöhnlichen Erfolgsgeschichte. Noch kein Team hat es nach einem Start mit drei Niederlagen ins Finale geschafft. Im Gegensatz dazu brachen die Frankfurter einen besondere Negativrekord: Noch kein Team konnte sich mit einem 4:0-Saisonstart nicht fürs Finale qualifizieren. Während sich die Frankfurter zur Hälfte der Saison schon Tickets für das Fest in Düsseldorf besorgten, fühlten sich die Berliner Fans irgendwie an die ersten zwei Jahre in der NFL Europe erinnert. Der Liganeuling beendet sie jeweils als Sechster und Letzter. Doch dann folgte der überraschende Titelgewinn. Umso mehr musste sich Vaas bei den hohen Erwartungen der Kritik erwehren. Der Cheftrainer blieb beim eingeschlagenen Konzept, gab den Spielern mehr Selbstsicherheit und verfolgte beharrlich die Umsetzung seiner Taktik.

Das hat sich ausgezahlt. Quarterback Todd Husak führte sein Team wie schon Jonathan Quinn im Vorjahr ins Finale und konnte diverse Klubrekorde seines Vorgängers neu schreiben. Dabei glaubten viele, so schnell würde kein würdiger Spielmacher folgen. Doch Vaas hat Husak gut instruiert und nebenbei sogar dem Ersatzmann Tim Hasselbeck immer wieder eine Chance gegeben. Gegen Frankfurt bewies Husak dann, warum ihn Vaas bei seinen kleinen Schwächen zum Saisonstart immer wieder als guten Spielmacher verteidigt hatte. Er ließ sich von dem Druck, der wegen der besonderen Konstellation auf ihm lastete, nicht aus der Ruhe bringen. Einen Sieg mit vier Punkten Vorsprung musste er für sein Team herausspielen, um an Frankfurt vorbeizuziehen und auf dem für das Finale notwendigen Platz zwei zu landen. Er spulte seine Spielzüge auch noch konzentriert ab, als die Frankfurter zur Pause nur mit genau drei Punkten zurücklagen. Die Frankfurter, die das Hinspiel mit 27:24 gewonnen hatten, wären so im Finale gewesen. Beide Teams hätten mit 6:4-Siegen abgeschlossen und der direkte Vergleich wäre ausgeglichen. Doch Galaxy hatte zu diesem Zeitpunkt das bessere Punktverhältnis.

Doch dann fand Husak in den letzten beiden Vierteln zweimal die Lücke zum Touchdown, und Kicker Danny Boyd, der noch zum Saisonstart einige entscheidende Fieldgoal-Versuche vergeben hatte, setzte seine beiden Schüsse zwischen das Gestänge.

So fährt Thunder statt Galaxy nach Düsseldorf und hat die Chance, den Titel als erstes Team in der NFL Europe zu verteidigen. Einen Rekord haben die Berliner jedoch schon gebrochen: 12 397 Fans waren am Samstag im Jahnstadion - so viele wie noch nie.

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