Politik : Wer rät wem? - Der Kunstbeirat des Bundestages und die Experten

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Entsprechend dem Parteienproporz geht es im Kunstbeirat des Deutschen Bundestags zu. Den Vorsitz über das Gremium, das 1976 als "Kunstkommission" ins Leben gerufen wurde, hat traditionell der Bundestagspräsident inne, zur Zeit also Wolfgang Thierse (SPD). Die übrigen elf Mitglieder bestimmen die im Parlament vertretenen Fraktionen: Für die SPD sind dies die Richterin Anni Brandt-Elsweier, die Lehrerin Dagmar Schmidt, die Sonderschulleiterin Gisela Schröter und der Fachhochschulprofessor Gert Weisskirchen, für die CDU die Einzelhändlerin Renate Blank, der Jurist Volker Kauder und die vormalige Beiratsvorsitzende und Professorin Rita Süssmuth. Die Grünen/Bündnis 90 lassen sich in puncto Kunst durch die Theologin Antje Vollmer und die Stadtplanerin Franziska Eichstädt-Bohlig vertreten, die FDP durch den Landwirt Ulrich Heinrich und die PDS durch den Theologen Heinrich Fink.

Entscheiden darf der Kunstbeirat nicht nur über Neuanschaffungen für die eigene Kunstsammlung, sondern auch über die Kunst in den neuen Parlamentsgebäuden. Dafür stehen insgesamt 28 Millionen Mark zur Verfügung, während sich die Parlamentarier beim Ankauf von Bildern und Zeichnungen für die hauseigene Artothek auf Werke unter 10 000 Mark beschränken. Von den 28 Millionen sind acht Millionen für die Kunst im Reichstag vorgesehen, darunter der umstrittene Haacke-Entwurf, und zwanzig Millionen für die angegliederten Gebäude (Paul-Löbe-Haus, Marie-Elisabeth-Lüders-Haus und Jakob-Kaiser-Haus). Angesichts einer solch großen Summe für Kunst hat der Kunstbeirat Experten zur Rate gezogen. Evelyn Weiss-Ott vom Kölner Museum Ludwig und Manfred Schneckenburger von der Kunstakademie Münster sind für das Kaiser-Haus zuständig. Der Direktor der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Armin Zweite, und Klaus Werner vom Museum für zeitgenössische Kunst in Leipzig kümmern sich um Löbe- und Lüders-Haus. Karin Stempel, designierte Rektorin der Kunsthochschule Kassel, und der Leiter der Tübinger Kunsthalle Götz Adriani haben die Kunstberatung für das Reichstagsgebäude selbst übernommen. Hier wurden die Künstler übrigens - anders als bei den anderen Gebäuden, wo ein beschränkter Wettbewerb augeschrieben war - direkt beauftragt. Entscheidungen des Kunstbeirats sind bindend und können nur nach einem Gruppenantrag im Parlament gekippt werden.

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