Wer regiert den Sport : Wer regiert den Sport

Wer regiert den Sport.

Hönicke

Politik Der moderne Sport ist einst auch als unabhängige Gegenbewegung zum Staat entstanden, wie etwa die Turnbewegung von Friedrich Ludwig Jahn. Inzwischen haben sich Sport und Politik in wechselseitige Abhängigkeit begeben. Nicht nur Sportministerien und Sportverwaltungen zeigen, dass der Staat zum einflussreichen Mitspieler geworden ist. Der Sport ist auf ihn angewiesen, denn Staaten bauen Stadien und Sporthallen, finanzieren Trainer und Reisekosten bei internationalen Wettkämpfen. Die Wechselbeziehungen sind unterschiedlich stark ausgeprägt. Während in Deutschland der Staat noch Athleten über Bundeswehr und Bundespolizei bezahlt, Geld in die Dopingbekämpfung und für Sportprojekte in der Entwicklungshilfe investiert, gibt es in den USA keine staatliche Sportpolitik. Fast alles wird dort privat finanziert. Den Wert des Sports für die eigene Präsentation nutzen jedoch Politiker, Parteien und Regierungen überall in großem Umfang. Staats- und Regierungschefs bevölkern daher die Tribünen bei wichtigen Sportereignissen oder spielen zur Imagepflege gegeneinander Tischtennis wie US-Präsident Barack Obama gegen Großbritanniens Premierminister David Cameron. Staaten liefern sich auch einen harten Wettbewerb um Olympische Spiele und Weltmeisterschaften. Erst buhlen sie mit allen Mitteln, wenn sie den Zuschlag dann haben, reißen sie die Veranstaltung oft mit allen Symbolen an sich. China inszenierte vor Olympia 2008 in Peking einen gigantischen Fackellauf, der bis auf den Mount Everest führte. Um der Welt wenigstens ein kleines Signal gegen die Vergessenheit zu senden, richtete das „kleine China“ Taiwan ein Jahr später die World Games aus. Die nächste gigantische Selbstdarstellung eines Landes erwartet die Welt im Februar bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi. Russlands Präsident Wladimir Putin warb persönlich bei der entscheidenden Sitzung des IOC um die Zustimmung. Dass er dabei den Mitgliedern, ihren Ländern und Sportarten keine Zuwendungen in Aussicht gestellt hat, gilt als unwahrscheinlich. Die staatliche Einflussnahme auf Sportverbände des Landes muss subtil sein. Denn der Sport beharrt immer noch auf Autonomie, internationale Sportverbände bestrafen die Einmischung, etwa bei der Besetzung von Posten, mit der Suspendierung des Mitgliedsverbands. Das stellt die Politik vor Probleme. „Bei der Welt-Sportministerkonferenz im Mai in Berlin habe ich mit afrikanischen Sportministern gesprochen, die sich fragen, welche Handlungsmöglichkeiten sie überhaupt gegen Korruption im Sport haben. Denn sie sagen: Wenn wir eingreifen, dann werden unsere Verbände ausgeschlossen“, sagt Anti-Korruptionsexpertin Sylvia Schenk. Das Verteidigungsarsenal des IOC umfasst noch mehr als den Ausschluss von Nationalen Olympischen Komitees. „Wir können entscheiden, dass die Offiziellen keine Akkreditierung für die Olympischen Spiele bekommen“, sagt IOC-Präsident Jacques Rogge, „wir können dem Sportminister eines Landes die Akkreditierung verweigern. Wir können finanzielle Sanktionen beschließen. Wir können beschließen, dass sie ihre Landesfahne und Nationalhymne nicht präsentieren dürfen und stattdessen unter der olympischen Fahne starten.“ Bei der Bekämpfung von Doping und Spielmanipulation ist der Sport jedoch zunehmend hilflos. Die Welt-Anti-Doping-Agentur ist daher ein Gemeinschaftsprojekt von Staaten und Verbänden. Die Verschränkung von Sport und Politik wird nicht nur hier immer enger.

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