Politik : „Wer sollte die USA zur Rechenschaft ziehen?“

Sicherheitsexperte Nassauer über Feuerbomben gegen den Irak

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OTFRIED NASSAUER (46) leitet das „Berliner Informationszentrum für transatlantische Sicherheit“ (BITS) mit dem Schwerpunkt nukleare und konventionelle Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung.

Das Pentagon hat den Einsatz einer so genannten Feuerbombe vom Typ MK 77 im Irak bestätigt. Drohen den USA daraus Konsquenzen?

Aller Wahrscheinlichkeit nach nicht, außer einer verärgerten Weltöffentlichkeit.

Die Genfer Konvention verbietet doch den Einsatz von Feuerbomben.

Die USA haben das entsprechende Zusatzprotokoll nicht ratifiziert. Und selbst wenn: Wer sollte einen Staat dieser politischen und militärischen Stärke zur Rechenschaft ziehen? Außerdem müssen wir vorsichtig sein: Noch ist nicht 100prozentig klar, ob tatsächlich ein Völkerrechtsverstoß vorliegt. Die Genfer Konvention verbietet den Einsatz von Brandbomben dann, wenn er sich gegen militärische Ziele und Zivilisten oder nur Zivilisten richtet. Safwan Hill, eines von vier bekannt gewordenen Zielen, war wahrscheinlich eine rein militärische Stellung des Irak.

Gleichwohl: Der Einsatz von Napalmbomben ist spätestens seit dem Vietnam-Krieg weltweit geächtet. Weshalb?

Napalm ist ein dickflüssiges, hochentzündliches Gel, das durch die bei der Explosion entwickelte enorme Hitze sämtliches Leben in der Umgebung sehr schnell auslöscht.

Wie viele Iraker starben im Feuersturm?

Eine australische Journalistin wählte als Überschrift für ihren Bericht über den Bombenangriff auf die irakische Stellung nahe Kuwait: „Dead Bodies everywhere“. Wie viele Soldaten da starben, wissen wir nicht.

Weshalb setzten sich die USA im Irak über den ethischen Konsens der Staatengemeinschaft hinweg?

Nach ihren Maßstäben tun sie das gar nicht. Die USA haben ihre alten Napalmreserven bis zum Jahr 2001weitgehend vernichtet. Die Bomben werden jetzt anders gefüllt. Statt Gasäther und Benzol enthält die MK-77-Bombe nun eine Art Flugbenzin mit reduziertem Benzolanteil. Aus US-Sicht waren es daher auch keine Napalmbomben, die im Irak zum Einsatz kamen. Aber, erlauben Sie den Vergleich: Ob Sie Apfelschorle mit klarem oder mit trübem Saft anmischen, es bleibt eine Apfelschorle. Das heißt, die MK 77, eine Weiterentwicklung der klassischen Napalmbombe, hat die gleiche militärische Wirkung. Und nur darauf kommt es an. Deshalb unterliegt auch die MK 77 den Beschränkungen der Genfer Konvention. Und deshalb sprechen US-Soldaten auch weiterhin von Napalmbomben.

Wie viele kamen denn zum Einsatz?

US-Offiziere sprechen von etwa 30 Waffen und vier Orten .

Das Gespräch führte Robert Jaquet.

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