Wer verändert die Welt? (2) : Die Modekönigin

Rania von Jordanien hat viele Fans – vor allem außerhalb ihres Landes. Ihr soziales Engagement wird zu Hause dagegen als Machtpolitik verstanden. Sie hat Glück, dass der Arabische Frühling Jordanien bisher ausgelassen hat.

Igor Mitchnik
Königin Rania von Jordanien vor allem in den USA viele Fans. Zuhause ist die Stimmung kritischer.
Königin Rania von Jordanien vor allem in den USA viele Fans. Zuhause ist die Stimmung kritischer.Foto: AFP

Beim Kurznachrichtendienst Twitter folgen ihr mit 3,2 Millionen halb so viele Menschen, wie ihr Land Einwohner hat: Königin Rania Al Abdullah von Jordanien ist beliebt. Ihre floskelhaften Twitter-Meldungen wie „In unsere Jungen zu investieren, ist eine Investition in unsere Zukunft“, werden hundertfach retweetet. Seit sie mit 29 Jahren den Thron bestieg und über Nacht vom palästinensischen Flüchtling aus Kuwait zum jordanischen Staatsoberhaupt avancierte, ist sie für ihr soziales Herz bekannt – wenn auch in erster Linie im Ausland.

Die studierte Betriebswirtin unterstützt zahlreiche Organisationen wie die Mädchenbildungsinitiative der Vereinten Nationen „Junior Achievement“ und hat den Vorsitz ihrer eigenen Jordan River Stiftung inne. Sie sagt, dass es einen direkten Zusammenhang gibt zwischen Verbesserung von Bildungsmöglichkeiten und Armutsbekämpfung. „Ich denke, dass Armut eine Sie ist!“, betont sie in Interviews immer wieder.

In amerikanischen Talkshows ist Rania gern gesehen

Während sie in amerikanischen Talkshows gerne gesehen ist und als Brückenbauerin nicht müde wird, westliche Staaten dazu aufzufordern in Jordaniens Stabilität zu investieren, wirft man ihr zu Hause allerdings Machtmissbrauch, Vetternwirtschaft und Korruption vor.

Mit der Stabilität zeigt sich eine weitere Schattenseite der Monarchie: Inmitten der arabischen Umbrüche, ist Ranias Macht nicht nur Symbol von Wohltaten, sondern noch eher von Stagnation des autoritär regierten Landes. Während des „Arabischen Frühlings“ beruhigte das jordanische Königshaus die einheimischen Demonstranten durch kleinere Reformzugeständnisse. Denn, so erklärte Rania der US-Moderatorin Oprah Winfrey, der Westen habe unrealistische Hoffnungen in den arabischen demokratischen Aufbruch gesteckt: „Veränderung braucht Zeit“.

Und diese Veränderung sollte aus der Perspektive des Königshauses von oben kommen. So ist es kein Zufall, dass in Jordanien oft davon die Rede war, dass die Königin nur in Zentren und Nichtregierungsorganisationen investiere, um ihre Macht zu sichern – gegen den Willen der Jordanier. Die Reichen bereichern sich, die Armen werden immer ärmer, und die Unzufriedenheit wächst.

König Abdullah versprach eine volksnahe Königin

Dabei klangen die Versprechen bei ihrer Krönung noch sehr anders. Genau ihr nicht-königlicher Hintergrund verbinde sie besser mit den Hoffnungen und Wünschen der Menschen, sagte König Abdullah damals im jordanischen Staatsfernsehen. Nun steckt das rohstoffarme Land in einer tiefen wirtschaftlichen Krise, während ihre Monarchin als Mode-Ikone durch die Welt tourt und sich mit den Reichen und Schönen ablichten lässt.

Manche vergleichen sie gar mit der ehemaligen Königin Frankreichs, Marie Antoinette, die ihren Kritikern zufolge genauso wenig aus ihrer luxuriösen und abgeschotteten Welt heraustreten und auf die Bevölkerung zugehen konnte. Als die französische Revolution ausbrach, endete sie auf dem Schafott. Das ist inzwischen aus der Mode gekommen. Dennoch ist es ein Glück für die Modekönigin Rania, dass die arabische Revolution in Jordanien bisher ausblieb.

Wer verändert die Welt? Die meisten Revolutionen beginnen ganz klein, mit einer „Schnapsidee“ oder mit einem großen Zorn auf die Verhältnisse. Wir stellen sieben Menschen vor, deren Engagement ganz schnell über sie selbst hinausgewachsen ist, im Guten wie im Schlechten. Allen gemeinsam ist, dass sie zunächst allein eine Sache ins Rollen gebracht haben – und nicht allein geblieben sind. Dies ist der erste Teil einer Serie.

Die bereits erschienenen Teile der Serie finden Sie hier:

Die Missionarin: Oby Ezekwesili setzt sich für die in Nigeria entführten Mädchen ein.

Der Preisgeber: Mo Ibrahim macht gute Präsidenten reich.

Die Aufklärerin: Lorella Zanardo will das Fernsehen verändern.

Der Warner: John Prendergast hat mit seinem Bild vom Genozig die amerikanische Sudanpolitik geprägt.

Der Wassermann: Wie Benjamin Adrion vom Fußballer zum Entwicklungshelfer wurde.

Der Wertsetzer: Christian Hiß hat mit der Regionalwert AG eine neue Form der Förderung für den Ökolandbau erfunden.

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