Wer verändert die Welt? (3) : Der Milliardär Mo Ibrahim macht gute Präsidenten reich

Der Telekom-Milliardär Mo Ibrahim zahlt erfolgreichen afrikanischen Staatschefs, die freiwillig abtreten, eine satte Zusatzrente – lebenslang.

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Der Mobilfunkunternehmer Mo Ibrahim hat sein Geld im Sudan verdient und in London seine Stiftung aufgebaut, die afrikanische Präsidenten auszeichnet, wenn sie ihr Land vorangebracht haben, halbwegs demokratisch regiert haben, und freiwillig abgetreten sind. Es gibt bisher nur drei Preisträger.
Der Mobilfunkunternehmer Mo Ibrahim hat sein Geld im Sudan verdient und in London seine Stiftung aufgebaut, die afrikanische...Foto: AFP

Als Milliardär kann man sich einiges erlauben. Mo Ibrahim, der im Sudan geborene und in London lebende ehemalige Besitzer einer der ersten in Afrika erfolgreichen Mobiltelefonfirmen, Celtel, hat sich zweierlei erlaubt. 2007 hat er einen Preis für afrikanische Führungsstärke ausgelobt. Afrikanische Präsidenten, die dreierlei erreicht haben, werden von Mo Ibrahim reich belohnt. Sie müssen ihr Land sozial und wirtschaftlich vorangebracht haben, ihre Regierungsführung muss demokratischen Mindeststandards entsprochen haben, und: Sie müssen freiwillig abgetreten sein.

Dass es nicht einfach ist, Preisträger zu finden, hat die Jury, bestehend aus mehreren Friedensnobelpreisträgern, schnell festgestellt. Denn der eigentlich jährlich ausgelobte Preis ist bisher nur drei Mal vergeben worden. Der Preisträger erhält fünf Jahre lang jeweils eine Million US-Dollar und danach lebenslang 200 000 Dollar im Jahr. 2007 ist der ehemalige Präsident Mosambiks, Joaquim Chissano, mit dem Mo-Ibrahim-Preis ausgezeichnet worden. 2008 bekam Fetus Morgae aus Botswana die Auszeichnung. 2011 folgte Pedro Verona Pires, der ehemalige Präsident der Kapverden. Er ist der bisher letzte Preisträger, seither hat sich kein Ex-Präsident mehr dafür qualifiziert.

Mo Ibrahims Stiftung hat einen Index für gute Regierungsführung entwickelt

Mo Ibrahim hat es nach dem Verkauf von Celtel 2005 nicht dabei belassen, seinen Präsidentenpreis auszuschreiben. Aus seiner 2006 gegründeten Stiftung ist inzwischen ein weit beachteter Thinktank für gute Regierungsführung geworden. Einmal im Jahr legt die Stiftung ihren Index für gute Regierungsführung vor. Er bewertet afrikanische Staaten nach den Kriterien Sicherheit und Rechtssicherheit, Menschenrechte und Beteiligung, nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und menschliche Entwicklung. 2013 landete Mauritius auf Platz eins, Somalia auf dem letzten Platz.

Südafrika hat die Stiftung 2013 nicht betrachtet. Aber Mo Ibrahim hat mit seiner Besorgnis über die Entwicklung der südafrikanischen Regierungspartei ANC nicht hinter dem Berg gehalten. Ein halbes Jahr vor der Wahl in diesem Frühjahr sagte Mo Ibrahim, der ANC müsse alles daransetzen, eine „politische Partei zu werden“. Denn der Kampf gegen die Apartheid, den habe sie längst gewonnen. „Wie kann eine Partei beides sein, extrem rechts und extrem links“, fragte er weiter. Um weiterhin erfolgreich zu sein, müsse der ANC „ Klarheit über seine Richtung gewinnen“, meinte Mo Ibrahim. Seine Kritik kam nicht gut an. Aber einem Milliardär kann das letztlich auch egal sein.

Eine neue politische Elite für Afrika

Derweil arbeitet Mo Ibrahim mit einigem Ehrgeiz daran, eine neue, nicht korrupte afrikanische Elite heranzubilden. Seit 2007 vergibt er Stipendien und Fellowships. Die drei Fellows des Jahres 2014 zeigen, wie er sich das vorstellt. Charlotte Ashanu aus Nigeria arbeitet bei der Weltbanktochter International Financial Corporation (IFC), Weynimi Omamuli, ebenfalls aus Nigeria, ist politische Analystin bei Oxford Analytica. Und der einzige Mann im Bunde, Carl Malan aus der Elfenbeinküste, arbeitet beim Globalen Fonds gegen Aids.Nach und nach soll daraus ein Netzwerk der nächsten Generation afrikanischer Eliten werden.

Wer verändert die Welt? Die meisten Revolutionen beginnen ganz klein, mit einer „Schnapsidee“ oder mit einem großen Zorn auf die Verhältnisse. Wir stellen sieben Menschen vor, deren Engagement ganz schnell über sie selbst hinausgewachsen ist, im Guten wie im Schlechten. Allen gemeinsam ist, dass sie zunächst allein eine Sache ins Rollen gebracht haben – und nicht allein geblieben sind. Dies ist der zweite Teil der Serie.

Die bereits erschienenen Teile der Serie finden Sie hier:

Die Missionarin: Oby Ezekwesili setzt sich für die in Nigeria entführten Mädchen ein.

Die Modekönigin: Rania von Jordanien hat im Ausland mehr Fans als zu Hause.

Die Aufklärerin: Lorella Zanardo will das Fernsehen verändern.

Der Warner: John Prendergast hat mit seinem Bild vom Genozig die amerikanische Sudanpolitik geprägt.

Der Wassermann: Wie Benjamin Adrion vom Fußballer zum Entwicklungshelfer wurde.
Der Wertsetzer: Christian Hiß hat mit der Regionalwert AG eine neue Form der Förderung für den Ökolandbau erfunden.

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