Politik : „Werde ich beim G-8-Gipfel erschossen?“ Globalisierungskritiker von Attac

organisieren den Protest in Evian

Hans Monath

Die wichtigste Frage steht ganz oben: „G-8-Gipfel für AnfängerInnen - werde ich erschossen?“, lauten die ersten Worte auf einer Internet-Service-Seite des Netzwerks Attac für Aktivisten, die gegen das Treffen der Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Industrieländer am kommenden Wochenende demonstrieren wollen. Am Rande des G-8-Gipfels im italienischen Genua war vor zwei Jahren ein junger Demonstrant von einem Polizisten getötet worden. In diesem Jahr wollen die Globalisierungskritiker am Genfer See mit neuen Protestformen für eine gerechtere Weltordnung kämpfen, wie Attac-Mitarbeiter Lukas Engelmann am Dienstag in Berlin erläuterte. Gewalt gehört nach seiner Darstellung nicht zu den Protestformen der Gruppe. Ausschließen wollte Engelmann aber nicht, dass andere Demonstranten gezielt die Auseinandersetzung mit den hochgerüsteten Sicherheitskräften suchten. Und ausdrücklich distanzieren wollte er sich auch nicht von solchen Tätern: „Sie gehören auch zu dieser Bewegung.“

In die streng bewachte und abgesperrte „rote Zone“ rund um das Tagungszentrum der Politiker im französischen Evian wollen die Globalisierungskritiker diesmal nicht eindringen, sondern sie blockieren und isolieren. Von Deutschland aus startet am heutigen Mittwoch ein Zug mit 1000 Plätzen nach Genf. Insgesamt erwartet Attac zehntausende Protestierer rund um den Genfer See.

„Zwei Jahre nach den Massenprotesten von Genua gibt es mehr Gründe denn je, gegen die G8 zu protestieren“, sagte Engelmann, der die Evian-Proteste koordiniert. Der „Club der reichsten Staaten“ trage die Verantwortung für die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich und treibe weltweit „die Liberalisierung und Militarisierung“ voran. Obwohl die Attac-Leute klagen, die Kernzone der G-8-Tagung sei „militarisiert“, halten sie gewalttätige Auseinandersetzungen für unwahrscheinlich. Die Antwort auf der Attac-Website lautet jedenfalls: „Nein, du wirst nicht erschossen.“ Die Gefahr sei „wesentlich geringer, als sie es in Genua war“.

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