Politik : „Werte sind unsere stärkste Waffe“

Norwegen erinnert an die Opfer der Anschläge des Rechtsterroristen Breivik Premier Stoltenberg beschwört Humanität und Offenheit der Gesellschaft.

Gedenken. Der norwegische Premierminister Jens Stoltenberg legt einen Kranz neben dem Regierungsgebäude ab, auf das Breivik vor zwei Jahren einen Bombenanschlag verübte. Foto: dpa Foto: dpa
Gedenken. Der norwegische Premierminister Jens Stoltenberg legt einen Kranz neben dem Regierungsgebäude ab, auf das Breivik vor...Foto: dpa

Oslo - Zwei Jahre nach den Anschlägen des Rechtsterroristen Anders Behring Breivik in Oslo und auf der Insel Utøya hat Norwegen ein Bekenntnis zu einer offenen Gesellschaft abgelegt. Bei einer Gedenkveranstaltung im Regierungsviertel der Hauptstadt sagte der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg: „Wir dürfen unsere Werte, die am 22. Juli angegriffen wurden, nie aufgeben: Humanität, Vielfalt, Solidarität und eine offene Gemeinschaft. Sie sind unsere stärkste Waffe und unsere stärkste Verteidigung gegen Gewalt und Terror.“

Breivik tötete 77 Menschen, sein Motiv war Fremdenhass. Zunächst hatte er im Osloer Regierungsviertel eine Bombe gezündet, die acht Menschen das Leben kostete. Anschließend war er auf die Insel Utøya gefahren und hatte unter den Teilnehmern eines Sommercamps der Jugendorganisation der Arbeiterpartei ein Blutbad angerichtet. 69 überwiegend junge Menschen verloren ihr Leben. Nach einem aufwendigen Prozess ist Breivik zu 21 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Wenige Tage nach den Anschlägen hatte Ministerpräsident Stoltenberg gesagt: „Unsere Antwort auf den Terror lautet: mehr Offenheit, mehr Demokratie, aber nicht Naivität.“ Diese Antwort gelte auch heute noch für ihn, sagte Stoltenberg, bevor er einen Kranz vor dem Gebäude niederlegte, in dem sich einmal sein Arbeitszimmer befand. Heute sei das Land besser auf Terrorangriffe vorbereitet. „Wir haben analysiert, gelernt und gehandelt. Wir haben eine bessere Überwachung, mehr Hubschrauber und mehr Polizei.“ Aber das sei nicht genug. „Das Gedenken an den 22. Juli als Mittel im Kampf gegen Extremismus und Gewalt zu nutzen, ist die beste Art, die zu ehren, die nicht mehr unter uns sind“, sagte Stoltenberg. „Eine Gesellschaft, die offen ist und zusammenhält, gibt wenig Boden für Extremismus und Gewalt.“

An einem anschließenden Gottesdienst in der Osloer Domkirche nahmen Vertreter der Regierung, des Parlaments sowie das Kronprinzenpaar Haakon und Mette-Marit teil. Auch auf der Insel Utøya, die drei Tage für Besucher zugänglich war, sollte der Opfer der Anschläge gedacht werden. Am Nachmittag wollten Angehörige und Überlebende zu einer Gedenkveranstaltung zusammenkommen – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Viele Überlebende leiden noch immer unter den Folgen des Massakers. Die Jugendorganisation der Arbeiterpartei wollte auf der Landseite der Insel einen Kranz niederlegen. Anfang Juli hatte sie erstmals wieder ein Sommercamp abgehalten, allerdings nicht auf Utøya, sondern in der kleinen Ortschaft Gulsrud an dem See, in dem Utøya liegt. dpaINSEL UTØYA]

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar