Politik : Wertheim: Erben siegen vor Gericht

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Berlin Im Streit um Grundstücke der in der Nazi-Zeit enteigneten Kaufmannsfamilie Wertheim hat das Berliner Verwaltungsgericht am Freitag für die Erben entschieden. Der Verkaufserlös in Höhe von 17 Millionen Euro für die Grundstücke an der Leipziger Straße muss an die Nachkommen ausgezahlt werden. Damit ist Karstadt-Quelle mit dem Versuch gescheitert, die Summe für sich zu beanspruchen und einen entsprechenden Rückübertragungsbescheid anzufechten. Der Konzern sieht sich als Rechtsnachfolger des Wertheim-Konzerns, weil Karstadt 1993 Hertie übernommen und Hertie wiederum 1951 Wertheim geschluckt hatte. Die Karstadt-Quelle-Aktie brach zeitweilig um mehr als sieben Prozent ein.

Der Handelskonzern will nun weiter klagen und vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Beschwerde einlegen, weil das Berliner Gericht eine Revision nicht zugelassen hat. Der Anwalt der Wertheim-Erben, Stefan Minden, kritisierte diesen Schritt im Gespräch mit dem Tagesspiegel: „Das Gericht hat eindeutig festgestellt, dass Karstadt-Quelle keinerlei Ansprüche auf die Grundstücke hat.“

Das Urteil in diesem Musterfall betrifft zunächst ein rund 4000 Quadratmeter großes Teilgrundstück, auf dem einst das größte Kaufhaus der Familie Wertheim stand. Es hat aber Auswirkungen auf weitere, noch größere Grundstücke in Berlin im Wert von mehreren hundert Millionen Euro. Dazu gehört auch das LennéDreieck am Potsdamer Platz, das Karstadt-Quelle vor rund fünf Jahren für 145 Millionen Euro an den Metro-Gründer Otto Beisheim verkauft hatte.

„Wir glauben, dass wir in Leipzig gute Chancen haben“, sagte Karstadt-Quelle- Sprecher Jörg Howe dem Tagesspiegel. Auf die Finanzsituation des Konzerns, der ein milliardenschweres Sanierungsprogramm stemmen muss, habe das Urteil keinen Einfluss. In Analystenkreisen wird das Gerichtsurteil allerdings weniger entspannt aufgenommen, weil auf den Konzern nun jahrelange Streitigkeiten zukommen werden. „Für ein Unternehmen, das sich gerade neu strukturiert, ist das ein erheblicher Ballast“, hieß es. Aktionärsschützer kritisieren, dass Karstadt-Quelle für den Streit mit den Wertheim-Erben keine Rückstellungen gebildet hat. „Das ist fahrlässig“, sagte Klaus Schneider, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, dem Tagesspiegel. oew/dro

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