Politik : West-LB: Ölspur durch den Regenwald

Jürgen Zurheide

Das Lob kam aus vollem Herzen. "Die Westdeutsche Landesbank ist unter Friedel Neuber zu einem erfolgreichen Global Player geworden", rief Wolfgang Clement dem am Freitag aus dem Amt scheidenden Chef der Bank beim Abschiedsessen zu. Neuber war gerührt, aber auch irritiert, denn just in diesen Tagen wird ein Engagement des Global Players West-LB heftig diskutiert.

Die West-LB hat sich gegen starke Konkurrenz durchgesetzt und den Auftrag bekommen, ein internationales Kreditkonsortium für eine 500 Kilometer lange Ölpipeline durch Ecuador für rund 900 Millionen US-Dollar zu zimmern. "Sie hinterlassen eine Ölspur", hatten Umweltschützer dem Düsseldorfer Regierungschef schon anlässlich seiner Sommerwanderung zugerufen. Jetzt haben sie nachgelegt. "Falls Ministerpräsident Wolfgang Clement international nicht ein ähnliches Image wie George Bush beim Klimaschutz bekommen will, muss er als Verantwortlicher des größten Anteilseigners an der West-LB dessen neuen Chef, Jürgen Sengera, sofort zurückpfeifen", verlangt der Deutsche Naturschutzring.

Inzwischen machen nationale und internationale Umweltgruppen gegen das Ölprojekt in Ecuador mobil. Die OCP, ein Konsortium aus überseeischen und europäischen Ölmultis, will in dem südamerikanischen Land eine 500 Kilometer lange Ölpipeline bauen. Täglich sollen 450 000 Barrel (159 Liter) Öl durch die Rohre gedrückt werden. Die Umweltschützer monieren inzwischen lautstark, dass das gesamte Projekt die Umwelt massiv beeinträchtige und dem armen Land außerdem ökonomisch eher schade. "Die Ölpipeline wird zu unvorstellbaren Schäden in weltweit einzigartigen Schutzgebieten führen", klagte der Vizepräsident des Naturschutzringes, Professor Manfred Niekisch. Er zeigte Bilder von Erdlöchern, in denen man zur Zeit das klumpige Öl zwischenlagert und erinnerte daran, dass die geplante Pipeline auch durch geschützte Reservate führt. Schon bisher, so analysierte Niekisch, leide Ecuador eher unter der Ölförderung, als dass es profitiere: "Die existierende Pipeline Sote ist ständig undicht, seit 1970 sind allein 74 Millionen Liter Öl unkontrolliert ausgelaufen und haben zu irreparablen Schäden für Mensch und Natur geführt."

In der Landesregierung schreckt man angesichts der massiven Vorwürfe auf. Umweltministerin Bärbel Höhn hat Bankchef Neuber einen Brief geschrieben und eine internationale Untersuchung verlangt. Der für die Bank zuständige Finanzminister Peer Steinbrück hält sich mit öffentlichen Äußerungen zurück, "das unterliegt dem Bankgeheimnis", aber er hat sich natürlich berichten lassen, worum es bei dem Projekt geht. Die West-LB verweist gerne darauf, dass das Projekt in Ecuador Weltbank-Standards entspreche und Umweltgutachten vorlägen, hat in einer ersten Phase allerdings wenig dagegen getan, dass einige Kabinettsmitglieder glaubten, es handele sich wirklich um ein Vorhaben der Weltbank.

"Die Bank ist nicht involviert", haben die Washingtoner Banker den Umweltschützern allerdings nach Deutschland gekabelt, was bei dem einen oder anderen Minister Kopfschütteln hervorrief. Inzwischen hat sich auch Oppositionsführer Jürgen Rüttgers, der sein Herz für die Globalisierungsgegner entdeckt hat, in die Debatte eingeschaltet und verlangt: "Das Projekt muss nachhaltig sein." Angesichts dieses Druckes hat jetzt auch Peer Steinbrück zum Stift gegriffen: Während Clement den Global Player Neuber lobte, muss sein Nachfolger Sengera die kritischen Fragen nach dem Regenwald in Ecuador beantworten.

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