Westafrika : Unruhen nach Putschversuch in Guinea-Bissau

Im Kleinstaat Guinea-Bissau herrscht Chaos: Der Vizechef der Streitkräfte hat nach Berichten das Kommando übernommen. Der wütenden Bevölkerung droht er, den Präsidenten zu töten.

Im krisengebeutelten westafrikanischen Guinea-Bissau sind nach einem Putschversuch des Militärs Unruhen ausgebrochen. Regierungschef Carlos Gomes Junior und der Chef der Streitkräfte, Zamora Induta, seien von Offizieren festgenommen worden, berichtete die portugiesische Nachrichtenagentur Lusa unter Berufung auf diplomatische Kreise und internationale Organisationen. Indutas bisheriger Vize, António Indjai, habe das Militärkommando übernommen. Er drohte damit, den Regierungschef töten zu lassen. Auf den Straßen gab es Zusammenstöße zwischen Soldaten und Anhängern von Gomes.

"Sagt dem Volk, es soll die Straßen räumen und nach Hause gehen. Sonst töte ich Cadogo (Rufname von Gomes Junior)", sagte Indjai vor Journalisten. Vor dem Regierungspalast und dem Haus von Gomes Junior in Bissau protestierten Hunderte Menschen gegen die Festnahme des Ministerpräsidenten. "Wir wollen keinen Putsch mehr" und "Wir sterben für dich", skandierten sie nach Augenzeugenberichten. Die Demonstranten attackierten die Soldaten mit Steinen und Stöcken. Schüsse in die Luft hätten nur die wenigsten abgeschreckt, hieß es.

Der Kleinstaat Guinea-Bissau gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Seit ihrer Unabhängigkeit 1973 hat die frühere portugiesische Kolonie zahlreiche Umsturzversuche durch das Militär erlebt. Auch die Drogenmafia trägt zur Destabilisierung bei. Portugal verurteilte die Ereignisse in Bissau mit Nachdruck.

Präsident Malam Bacai Sanhá gab zunächst keine Stellungnahme ab. Soldaten hatten Sanhás Vorgänger João Bernardo Vieira am 2. März 2009 ermordet, einen Tag nachdem der Armeechef des Landes, Indutas Vorgänger Tagmé Na Waié, von einer Bombe getötet worden war. Drei Monate später wurde Sanhá zum Präsidenten gewählt.

Nach Angaben von Lusa wurde Gomes Junior zunächst zusammen mit Induta im Hauptquartier der Streitkräfte festgehalten. Später sei er in sein Büro gefahren worden, wo er mit Regierungsmitgliedern und Militärs zusammengetroffen sei.

Der Putsch stand den Angaben zufolge in Zusammenhang mit einem Streit um Ex-Marine-Chef, José Américo Bubo Na Tchute, der als Verbündeter Indjais und als Gegner Indutas gilt. Bubo Na Tchute sei von bewaffneten Militärs aus dem Quartier der Friedensmission der Vereinten Nationen (Unogbis) in Bissau geholt worden, wo er nach seiner Rückkehr aus dem Exil Zuflucht gefunden hatte. Bubo Na Tchute wird eines Putschversuchs im Jahr 2008 bezichtigt. Er sagte nun, Gomes Junior und Induta müssten sich wegen Verbrechen gegen die
Bevölkerung vor Gericht verantworten. Er sei bereit, für seine Sache "Grausamkeiten zu begehen".
 

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa

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