Politik : Westendorp verschärft den Ton gegenüber Bosniens Kroaten

Internationale Vertreter in Sarajevo erhoben am Montag schwere Vorwürfe gegen kroatische Behörden, die der Vertreibung aus der kroatisch-kontrollierten Stadt Jajce tatenlos zugesehen hätten. SARAJEVO (dpa/AP). Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Schweden haben indes die Kontakte zu den Botschaftern Bosniens eingefroren.Damit reagierten sie auf einen Streit unter dem dreiköpfigen Staatspräsidium, das sich nicht auf einen gemeinsamen dipolmatischen Dienst einigen konnte."Die kroatische Polizei hat absolut nichts für die Sicherheit der Moslems getan", sagte am Montag in Sarajevo UNO-Sprecher Ivanko.Nach seinen Angaben sind am Wochende 500 heimkehrende Moslems von Hunderten aufgebrachter und zum Teil unter Alkohol Einfluß stehenden Kroaten vertrieben worden.Ein Moslem sei getötet worden, mindestens zehn Häuser seien in Flammen aufgegangen.Eingeleitet hatten die Kroaten die Ausschreitungen mit einer Straßenbloêkade."Die UN-Polizei hat die Beseitigung der Blockade verlangt.Die kroatische Polizei wollte nicht reagieren", sagte Ivanko weiter.In die Gegend seien inzwischen zusätzliche SFOR-Truppen entsandt worden.Der Sprecher des Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Janowski, forderte die kroatische Seite auf, die moslemischen Flüchtlinge unverzüglich wieder aufzunehmen. Der Chefkoordinator für die Friedenshilfe in Bosnien, Westendorp, hatte den Präsidenten der moslemisch-kroatischen Föderation, Soljic, schriftlich aufgefordert, bis zum heutigen Dienstag dafür zu sorgen, daß die Flüchtlinge wieder in ihre Häuser zurück können.Die an den Ausschreitungen beteiligten Kräfte sollten unverzüglich bestraft werden."Mit Entsetzen haben wir von den Demonstrationen gegen die Rückkehr von Flüchtlingen nach Jajce und vom Abbrennen von Häusern gehört.Es gibt Hinweise, daß an den Ausschreitungen auch die lokale (kroatische) Polizei beteiligt war", hieß es im Schreiben Westendorps.Die Moslems waren vor zwei Wochen in ihre früheren Heimatorte rund um Jajce zurückgekehrt. Mit dem Einfrieren ihrer Kontakte zu den Botschaften Bosniens folgten Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Schweden am Montag einer Empfehlung des Chefkoordinators Westendorp vom Wochenende, nachdem sich das bosnische Staatspräsidium nicht auf einen gemeinsamen dipolmatischen Dienst geeinigt hatte.Werstendorp drohte indes mit weiteren Strafmaßnahmen.

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