Westerwelle : Bewerbung um Außenministerposten

Weil der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle nach der Bundestagswahl im September Außenminister werden will, trat er am Montagabend vor die gestrenge Versammlung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin.

Antje Sirleschtov
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Westerwelle

Berlin – Dass es kein hinreichendes Kriterium für das Amt des deutschen Außenministers ist, vor einer Bundestagswahl hier gesprochen zu haben, das hat 2005 der FDP-Politiker Wolfgang Gerhard erfahren, der den Posten später doch nicht bekam. Und auch ein notwendiges Kriterium ist es nicht, wie man am derzeitigen SPD-Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier sehen kann, der hier keine Bewerbungsrede hielt. Wichtig ist es dennoch, die versammelte Diplomatie in Berlin von sich und seinen Grundsätzen zu überzeugen, wenn man das deutsche Gesicht in der Welt werden will. Joschka Fischer hat das 1998 erfahren. Und weil der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle genau das nach der Bundestagswahl im September vorhat, trat er am Montagabend vor die gestrenge Versammlung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in der Berliner Rauchstraße. Ein krönender Baustein, könnte man sagen, in der seit geraumer Zeit mit Auslandsbesuchen und außenpolitischen Einlassungen nur so gespickten Vorbereitung des Guido Westerwelle auf das diplomatische Spitzenamt.

Wie ernst die Ambitionen des obersten Liberalen, der noch vor nicht allzu langer Zeit als schriller Weltverbesserer daherkam, im Club der Außenpolitiker inzwischen genommen werden, mag man schon an der Resonanz abmessen: Nicht weniger als 300 Zusagen hatte es gegeben.

Und auch für Westerwelle selbst war das offenbar kein leichter Gang – so oft, wie er den Blick ins Redemanuskript warf, damit ihm ja kein schiefer Ton entfährt. Seine Botschaft ist zu gleichen Teilen hergeleitet aus dem Bekenntnis zur Kontinuität der deutschen Außenpolitik der zurückliegenden 60 Jahre und der Erkenntnis, dass Kooperation und nicht Konfrontation die Welt vorangebracht hat.

Klar bekennt sich Westerwelle zu einem Ende des Krieges gegen den internationalen Terror, wie er von der amerikanischen Bush-Administration geführt wurde. Deren Politik habe dazu geführt, dass die USA „zeitweise die gemeinsame Wertebasis des Westens verlassen haben“. Nun müsse sich die Welt von dieser Politik emanzipieren und eine „zweite Chance“ suchen.

Und als Mittvierziger zeigt sich Westerwelle eindeutig als überzeugtes Kind des europäischen Einigungsprozesses. Hier und da lässt er zwar auch Kritik an der EU durchscheinen. Dass er den Weg des Miteinanders der Europäer nicht nur für entwicklungsfähig, sondern sogar als weltweit ausbaufähig ansieht, steht für ihn jedoch nicht infrage. Antje Sirleschtov

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