Politik : Westerwelle redet von Abrüstung, Indien von Waffen

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Neu-Delhi - Von Guido Westerwelle keine Spur. Jedenfalls nicht in den großen indischen Zeitungen. Denen ist seine Ankunft in den Montagsausgaben keine Zeile wert. Dafür schafft es aber Kanzlerin Angela Merkel mit ihrer Grabesrede auf den deutschen Multi-Kulti-Versuch in die Blätter. Zweieinhalb Tage nahm sich Westerwelle nun Zeit für Indien. Es war seine erste Reise auf den Subkontinent seit seinem Amtsantritt. Dabei braucht die Exportnation Deutschland Indien mehr, als Indien Deutschland braucht.

Mit knapp 1,2 Milliarden Menschen sei „Indien ein absoluter Zukunftsmarkt“, umschmeichelt Westerwelle die Gastgeber. Und das wissen auch die Inder, die entsprechend selbstbewusst auftreten. „Exzellent“ sei sein Gespräch mit Regierungschef Manmohan Singh gewesen, sagt Westerwelle. „Exzellent“ sei auch das Treffen mit seinem „geschätzten Kollegen“ S. M. Krishna verlaufen.

Doch die Deutschen sind nicht die einzigen, die um Indiens Gunst buhlen. Für Anfang November hat sich US-Präsident Barack Obama angesagt. Seinen französischen Amtskollegen Nicholas Sarkozy zieht es schon zum zweiten Mal nach Indien. Es geht um Milliardengeschäfte: Obama will ebenso wie Sarkozy den Indern Waffen, Rüstung und Atomtechnik verkaufen, um die heimische Wirtschaft anzukurbeln. Doch gerade mit diesen Themen tun sich die Deutschen schwer. Vor der Presse redet Westerwelle lieber von Abrüstung als von Waffenverkäufen. Erst auf Nachfrage äußert er sich zu Euro-Fightern und Euro-Jets: „Ich bin überzeugt, dass wir die besten Produkte haben.“ Mit Abrüstung braucht er den Indern nicht zu kommen: Der Subkontinent ist von Konfliktherden umzingelt. Mit dem alten Erzfeind Pakistan hat es bereits drei Kriege geführt, immer wieder gibt es Terroranschläge. Und auch China wird von Delhi misstrauisch beäugt.

Deutschland ist Indiens fünftgrößter Handelspartner. Aber die Inder sehen „Germany“ als politisches Leichtgewicht, allenfalls als Zweckpartner, etwa wenn es um UN-Reformen geht. Strategisch spielen die USA, China und Russland die Hauptrollen. Christine Möllhoff

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