Politik : Westerwelle und die Bärenfelle

Robert Birnbaum

Berlin - Es passt so schön. Guido Westerwelle gibt bekannt, dass er nicht unbedingt sofort 2006 Außenminister werden müsse. Prompt macht das nächste Gerücht die Runde: Wäre das Auswärtige Amt dann nichts für Edmund Stoiber? Kanzlerkandidat, hat sich die „Welt“ versichern lassen, wolle Stoiber nämlich nicht noch einmal werden, hingegen nach einem Regierungswechsel nach Berlin gehen wolle der Bayern-König schon. Aber nicht, was bisher an der Gerüchtebörse hoch gehandelt wurde, als „Superminister“ für zum Beispiel Wirtschaft und Finanzen, sondern als unser Mann fürs Äußere.

Der Amtsinhaber hat beides mit Spott vernommen: Die „Verteilung des Bärenfells vor dessen Erlegung“, sagt Joschka Fischers Sprecher, habe ministerialerseits „Amüsement“ ausgelöst. Und dass die Weltpolitik noch etwas auf Herrn Westerwelle warten müsse – betrüblich!

Die FDP hat das Gerücht nicht ganz so auf die leichte Schulter genommen und sicherheitshalber klarstellen lassen, dass der – übrigens nur indirekt erklärte und also notfalls später einmal dementierbare – Verzicht ihres Chefs keineswegs bedeute, dass die Liberalen in einer Koalition auch ihren traditionellen Anspruch auf das Amt aufgeben würden. Dass dann statt Westerwelles dafür Fraktionschef Wolfgang Gerhardt fest vorgesehen sei, wie es beide schon einmal vor der Wahl 2002 vereinbart hatten, dementiert die FDP aber ebenfalls, wobei wieder der Bär dran glauben muss: Erst das Vieh erlegen, dann das Fell verteilen.

In der CDU sehen sie Stoiber auch nicht als Außenminister, aus anderen Gründen. Dort glaubt nämlich keiner ein Wort davon, dass der Bayer die Ambition aufs Kanzleramt aufgegeben haben soll. Dass das Gerücht just vor dem Krisengipfel Stoibers mit CDU-Chefin Angela Merkel aufkommt, bei dem es formal um die Gesundheitsreform geht und tatsächlich um die Macht – es passt einfach zu schön! Bleibt Stoibers Kommentar zu alledem: „Absoluter Blödsinn!“

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