Politik : Wettbewerb um das Warnsystem

Die Tsunami-Früherkennung im Indischen Ozean soll bald stehen – fordert eine UN-Konferenz

Alexander Visser

Berlin - Aus Sicht der deutschen Delegation wird die Weltkonferenz für Katastrophenvorsorge im japanischen Kobe am heutigen Samstag erfolgreich zu Ende gehen. Streitpunkte, die eine gemeinsame Abschlusserklärung zu gefährden drohten, wurden offenbar erfolgreich umschifft. „Die Konferenz bedeutet für die Frühwarnung vor Katastrophen einen großen Schub“, sagte die Vorsitzende des Deutschen Komitees für Katastrophenvorsorge, Irmgard Schwaetzer, in einem Telefonat mit dem Tagesspiegel. „Davon werden nicht nur die von der Flutwelle betroffenen Länder am Indischen Ozean profitieren.“

Doch der Tsunami stand im Mittelpunkt einer Konferenz, die ohne diese beispiellose Katastrophe von der Öffentlichkeit wohl nur wenig beachtet worden wäre. Die betroffenen Staaten und die wichtigsten Geberländer für den Wiederaufbau wollen möglichst bald mit der Entwicklung eines Frühwarnsystems für den Indischen Ozean beginnen – unter Federführung der Vereinten Nationen. Konkrete Verpflichtungen werden aber wohl nicht in der Abschlusserklärung stehen. Die erste von mehreren geplanten Folgekonferenzen beginnt Ende kommender Woche im thailändischen Phuket.

Die deutsche Delegation brachte eigene Vorschläge für das geplante Frühwarnsystem in die Konferenz ein. Sie wurden vom Potsdamer Geoforschungszentrum entwickelt und sehen den langfristigen Aufbau eines globalen Satellitensystems vor. „Die deutschen Vorschläge wurden sehr positiv aufgenommen“, sagte Schwaetzer. „Nur die Amerikaner waren nicht sehr erfreut.“ Die USA hatten vorgeschlagen, ihr eigenes satellitengestütztes System im Pazifik auf den Indischen Ozean auszudehnen. Auch Japan und Australien wollen bei dem prestigeträchtigen Ideenwettbewerb mitmischen und brachten eigene Ideen für ein Frühwarnsystem mit nach Kobe.

Zu einem Streitpunkt der Konferenz hatte sich das Thema Klimawandel entwickelt: Die US-Delegation hatte sich dagegen gewehrt, einen klaren Hinweis auf den Zusammenhang zwischen weltweiter Erwärmung und Naturkatastrophen, wie etwa tropische Stürme, in die Abschlusserklärung aufzunehmen. Doch offenbar konnten sich Inselstaaten und Europäer durchsetzen: „Auf den Zusammenhang von Klimawandel und der Häufigkeit und Stärke von Naturkatastrophen wird in der Erklärung hingewiesen“, sagte Schwaetzer.

Unterdessen berichtet das UN-Umweltprogramm Unep, dass die Flutwelle der Umwelt in der indonesischen Katastrophenregion noch stärker geschadet hat, als zunächst erwartet. Auf insgesamt 522 Millionen Euro wird der Gesamtschaden geschätzt, der an Korallenriffen, Mangrovensümpfen und Wäldern in dem Gebiet angerichtet wurde, sagte Unep-Direktor Klaus Töpfer bei der Präsentation eines Schadenberichts. Beim Wiederaufbau müsse auch in das „Umweltkapital“ der natürlichen Ressourcen investiert werden.

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