Politik : Wetterfühlig

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HINTER DEN LINDEN

In unserer modernen Gesellschaft verschieben sich, so haben wir kürzlich im Rückblick auf unsere Arbeit festgestellt, Ort und Zeit der Politikgestaltung. Längst feilen die Parlamentarier nicht mehr stunden- und tagelang an ihren Reden im Bundestag. Ohnehin verfolgt kaum noch ein Bürger das demokratische Streiten der Parteien im Plenum am Bildschirm. Auch die Politiker haben sich darauf eingestellt und konzentrieren sich auf ihre Auftritte in Talkshows, die gerade in Wahlkampfzeiten wie Pilze aus dem Boden sprießen. Für uns Zeitungsjournalisten heißt das: umdenken.

Wenn die gewählten Gestalter von Politik nur noch selten – und wenn, dann immer in großer Eile – im Plenum anzutreffen sind, weil sie sich auf dem Sprung in irgendeine Show befinden, dann müssen wir unsere Informationen in oft nur dreiminütigen Telefonaten zusammenklauben. Wochentags, ergab unser Erfahrungsaustausch, ist das auch kein Problem. Nur am Wochenende wird es schwierig. Das ist grundsätzlich verständlich, denn: Wer schon von Montag bis Freitag Politik an den Journalisten bringen muss, der will wenigstens 48 Stunden lang von den lästigen Fragen unserer wissbegierigen Zunft verschont bleiben. Eine überraschende Erkenntnis von möglicherweise höchst aktueller Bedeutung gewannen wir allerdings: Wenn es am Wochenende draußen stürmt, regnet oder schneit, ist gut telefonieren mit Minister A oder Parlamentarier B. Locken dagegen Sonnenschein und Temperaturen in Weinlokale und Strandcafés, werden die Politiker mürrischer, will heißen einsilbiger. Nun fragen wir uns, ob das wohl in diesem Sommer, kurz vor der Bundestagswahl, auch so sein wird?Antje Sirleschtov

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