Politik : Wettlauf gegen die Zeit in Afghanistan

MAZAR-I-SCHARIF (dpa/AFP/rtr).Nach dem verheerenden Erdbeben im Norden Afghanistans hat die UNO eine Luftbrücke zur Versorgung der Verletzten und Obdachlosen eingerichtet.Für die Helfer begann ein Wettlauf gegen die Zeit, weil die Verletzten möglichst rasch geborgen und Hilfsgüter in die abgelegenen Dörfer gebracht werden müssen.Das Erdbeben hatte eine Stärke von 7,1.Die Zahl der Todesopfer wird offiziell mit 5000 angegeben.

Nachts wird es bitterkalt.Die Verschütteten, die überlebt haben, drohen zu erfrieren und zu verdursten.Nach Angaben des Roten Kreuzes wurden 45 000 Menschen obdachlos, fast zwei Drittel der Bewohner im Erdbebengebiet.70 Dörfer wurden völlig zerstört.Betroffen ist vor allem die nördliche Provinz Badachschan.Das Beben war wesentlich stärker als das Erdbeben im Februar unweit der jetzt betroffenen Region.Damals waren 4000 Menschen getötet worden.Die Überlebenden hatten wegen Schnee und Eis tagelang auf Hilfe warten müssen.

Die Hilfsorganisationen hoffen, wesentlich schneller zu den Dörfern vordringen zu können als im Februar.Da es keine Straßen gibt, sind Hubschrauber nötig, die in der Bergregion jedoch nur bei klarem Wetter fliegen können.Viele der betroffenen Dörfer in den Provinzen Tachar und Badachschan können jedoch nur nach mehreren Tagesreisen auf dem Rücken von Eseln und Pferden erreicht werden.

Den Besatzungen der ersten Hubschrauber, die in der Bebenregion Suchflüge starteten, bot sich ein erschreckendes Bild."Einige Dörfer sind ganz von der Landkarte verschwunden", sagte ein Helfer.Durch das Beben hätten sich Erdmassen in Bewegung gesetzt und ganze Dörfer unter sich begraben.In anderen Orten seien die bereits durch das Beben im Februar beschädigten Hütten aus getrocknetem Lehm nun völlig eingestürzt.

Die Überlebenden säßen wie erstarrt neben den Trümmern ihrer Häuser, in denen ihre Familien umkamen, berichtete Chris Teirlinck, der für die Organisation Ärzte ohne Grenzen in Nordafghanistan ist.Es wird befürchtet, daß viele Kinder umgekommen sind, weil die Erde während der Schulzeit am späten Vormittag bebte.Viele Erwachsene waren dagegen draußen bei der Arbeit.

Die Milizen-Allianz, die den Norden Afghanistans beherrscht, richtete einen Hilferuf an die Weltgemeinschaft.In Afghanistan beherrschen die fundamentalistisch-islamischen Taliban gut 80 Prozent des Landes, während die Allianz ihrer Gegner den Norden hält.Innerhalb der Allianz gibt es ebenfalls Kämpfe.Die Frontlinien erschweren den Helfern die Arbeit zusätzlich.Die Hilfsorganisationen wollen deshalb versuchen, auch über die benachbarten Länder Tadschikistan und Usbekistan Güter heranzuschaffen.

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