WHO-Bericht : 100 Millionen Menschen werden durch Gesundheitskosten arm

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Regierungen "eindringlich" aufgefordert, ihre Gesundheitssysteme besser zu finanzieren.

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Berlin - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Regierungen „eindringlich“ aufgefordert, ihre Gesundheitssysteme besser zu finanzieren. Weil sie ihre Behandlung selber bezahlen müssten, würden jedes Jahr 100 Millionen Menschen „in die Armut getrieben“, heißt es im diesjährigen Weltgesundheitsbericht, den die Organisation in Berlin präsentierte. „Niemand sollte finanziellen Ruin befürchten müssen weil er medizinische Behandlung benötigt“, so WHO-Generaldirektorin Margaret Chan.

Trotz internationaler Anstrengungen seien die Länder bei gesundheitlicher Absicherung und Lebenserwartung erschreckend weit auseinander, klagte Chan. Die Müttersterblichkeit etwa sei seit 1990 gerade mal um ein Drittel gesunken, resümierte Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP). Vom erklärten Ziel, diese Todesursache bis 2015 um drei Viertel zu reduzieren, sei man noch weit entfernt. Dem Bericht zufolge geben derzeit 31 Länder weniger als 35 US-Dollar pro Kopf und Jahr für Gesundheit aus. Der Zugang zu einer Mindestversorgung koste in Niedriglohnländern aber rund 44 Dollar pro Kopf. Die Experten rechnen vor: Wenn alle Geberländer ihre Zusage einhielten, 0,7 Prozent ihres Bruttonationaleinkommens bis 2015 für Entwicklungshilfe bereitzustellen, könnten mehr als drei Millionen Menschenleben gerettet werden.

Da es keine Patentlösung für funktionierende Gesundheitssysteme gebe, habe sich die WHO bei ihren Empfehlungen auf drei Kernziele beschränken müssen, sagte Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP): der Gesundheitsversorgung im eigenen Land höheren Stellenwert einzuräumen, die Finanzierung gerechter zu gestalten und das Geld effektiver einzusetzen. Durch klügere Ausgabenpolitik, etwa in Kliniken oder beim Arzneikauf, ließe sich die gesundheitliche Absicherung dem Bericht zufolge weltweit um 20 bis 40 Prozent steigern. Rainer Woratschka

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