Widerstand gegen CDU im Bund : CDU Thüringen für Mike Mohring und gegen AfD-Tabu

Mike Mohring, wegen seiner Kontakte zur AfD bei der Bundes-CDU in Ungnade gefallen, ist neuer Landeschef der CDU in Thüringen. Dort ist die Verärgerung über die Bundespartei groß. Die Thüringer wollen sich in Sachen AfD keine Vorschriften gefallen lassen.

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Stichelt gegen die Bundes-CDU: Mike Mohring, der neue Landeschef der CDU Thüringen.
Stichelt gegen die Bundes-CDU: Mike Mohring, der neue Landeschef der CDU Thüringen.Foto: dpa

Die Tristesse war total an diesem dunklen, nasskalten Samstag auf den Höhen des Thüringer Schiefergebirges. Zum Ärger von vielen Delegierten hatte die CDU ihren Parteitag nach Mengersgereuth-Hämmern im südlichsten Zipfel des Landes einberufen. Doch die weite Anreise lohnte sich. Nicht nur wegen der Wahl des schillernden Mike Mohring zum neuen Landeschef – eines Politikers, der wegen seiner Kontakte zur AfD gerade bei der Bundes-CDU in Ungnade gefallen ist. Bei der Wahl zum Bundesvorstand flog er krachend durch.

Ebenso bemerkenswert war der erste politische Auftritt von Thüringens Ex-Ministerpräsident Dieter Althaus seit seiner Entmachtung. Genau in dem Augenblick, in dem sein Ziehsohn Mohring die Ära seiner Nachfolgerin Christine Lieberknecht beendete, war auch Althaus wieder da. Und wie. Der Ex-Politiker, der 2009 durch seinen Skiunfall und den dabei verursachten Tod einer Frau in die Schlagzeilen geriet, legte sich gleich mit der Bundespartei und deren Verbot einer Zusammenarbeit mit der AfD an – ganz im Sinne Mohrings.

Er sei entsetzt über das, was Unionsfraktionschef Volker Kauder vorigen Dienstag beim CDU-Bundesparteitag in Köln gesagt habe, nämlich dass es keine Zusammenarbeit mit der AfD gebe. „Dafür zu sorgen, dass wir in Zukunft wieder solche Leute wie Ramelow aus der Regierung loswerden, ist die wichtigste Aufgabe für die Union, liebe Freunde“, rief dagegen Althaus in der „Meng-Hämm-Arena“ aus. „Und deshalb wäre es richtig gewesen, die Thüringer Union zu unterstützen.“ Der Rest ging in tosendem Beifall unter.

Positionen der AfD würden von vielen in der CDU geteilt, sagt der CDU-Fraktionsvize

Die CDU hatte mit der AfD ausgelotet, ob Bodo Ramelow (Linke) als Ministerpräsident des neuen rot-rot-grünen Bündnisses mittels eines Gegenkandidaten zu verhindern wäre. In diese Planspiele hatte jedoch CDU-Generalsekretär Peter Tauber gegrätscht: „Ein Ministerpräsident der CDU darf nie von der AfD abhängig sein“, hatte er öffentlich erklärt.

Der Ärger über diese Einmischung ist in Thüringen groß. Positionen der AfD würden von vielen in der CDU geteilt, sagte CDU-Fraktionsvize Michael Heym. Es ist eine Ironie, dass der für den Bundesvorstand durchgefallene Mohring kraft seines Amtes als Landeschef nun doch an den Sitzungen des Bundesvorstands teilnehmen darf und gegen den Berliner Kurs sticheln kann.

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