Politik : Wie Bullterrier Cato Justizgeschichte schrieb

kf

Das Städtchen Roßlau, 14 500 Einwohner, in Sachsen-Anhalt ist von der Kampfhunddichte her kaum mit Neukölln oder Wedding zu vergleichen. "Als bei uns die Regelung in Kraft trat, besaß nur eine Familie einen Kampfhund, der bis heute nicht auffällig geworden ist", sagt der Bürgermeister Klemens Koschig. Um die Zahl der ungeliebten Tiere in der Stadt aber weiterhin so niedrig wie möglich zu halten, beschloss der Stadtrat im November 1994 den Erlass der Hundesteuersatzung.

Nach den Worten des Bürgermeisters wurde das Thema Kampfhunde im Roßlauer Stadtrat aber schon vor dem Erlass seit längerem diskutiert. Auf die Tagesordnung sei es zum ersten Mal gesetzt worden, "nachdem Verordnete Kampfhunde im Stadtbild gesehen hatten". Neben Presseberichten zeigten sich die Kommunalpolitiker vor allem über einen Vorfall mit einem "chinesischen Kampfhund" in der Nachbarschaft beunruhigt. Das Tier eines ortsansässigen Gastronomen hatte nach einem Einbruchsversuch im Restaurant "Blut gerochen" und war herrenlos in die Innenstadt gezogen. Der Feldzug des Hundes blieb folgenlos: Er wurde in der Nähe eines Gasthofs überfahren, bevor ihm ein Roßlauer begegnete. "Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn ihm ein bedudelter Bürger entgegengekommen wäre", sagt Koschig.

Zwei juristische Niederlagen musste die Stadt Roßlau mit ihrem Erlass einstecken. Doch statt aufzugeben, roch nun sie gewissermaßen Blut. "Wir hatten die Chance, endlich einmal klären zu lassen, ob ein Ort so die Zahl der Kampfhunde einschränken kann." Mit der betroffenen Familie steht man noch auf gutem Fuß. Koschig: "Wir haben uns mit ihr getroffen und um Verständnis gebeten." Der Prozess um den Bullterrier Cato währte fünf Jahre. Inzwischen hat sich die Zahl der Kampfhunde in Roßlau auf drei erhöht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben