• Wie die Arzneimittel-Lobby nachweist, dass Medikamente in Deutschland gar nicht so teuer sind

Politik : Wie die Arzneimittel-Lobby nachweist, dass Medikamente in Deutschland gar nicht so teuer sind

Andreas Hoffmann

Hans-Günter Friese wollte ein Vorurteil bekämpfen. Es sei doch "ein Märchen" zu glauben, dass Medikamente in Deutschland teurer seien als in anderen europäischen Staaten, hob der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) an, als er am Donnerstag in Berlin zusammen mit Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), eine neue Studie zu den Medikamentenpreisen in Deutschland präsentierte. Zentraler Tenor: Pillen und Pasten sind hierzulande gar nicht viel teurer als im Ausland.

In ihrer Untersuchung stellen die Experten fest, dass beim Vergleich der Apothekenpreise Deutschland im unteren Drittel liege. Nur in Frankreich, Portugal, Spanien und Griechenland sind die Mittel - umgerechnet nach Devisenkursen - noch billiger. In der Schweiz, Irland, Österreich, Belgien, Luxemburg, Finnland, Großbritannien, Dänemark, Niederlande und Italien muss der Kunde für Pillen und Pasten dagegen mehr Geld hinblättern.

Bemerkenswert an diesem Ergebnis, ist ihr Zustandekommen. Die Studie vergleicht nicht einzelne Produkte, sondern Wirkstoffe - genauer gesagt die "47 führenden Wirkstoffe" hierzulande. Diese decken allerdings nur ein Drittel des Umsatzes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Deutschland ab. Was die Aussagekraft der Studie zusätzlich einschränkt, sind die unterschiedlichen Rahmenbedingungen. Anders als in Deutschland gibt es in vielen anderen europäischen Ländern kaum Generika. Das sind jene Präparate, die die gleichen Wirkstoffe wie Markenarzneien enthalten, aber viel billiger sind. In anderen Ländern fehlen diese Generika, weil der Staat den Markt für Arzneien mittels sogenannter Positivlisten viel stärker regelt als Deutschland. Genau das plant Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) im Rahmen ihrer Gesundheitsreform.

Noch unübersichtlicher wurde es, als die Beteiligten den deutschen Arzneimarkt beurteilen sollten. So bilanzierte Yzer, dass hierzulande gar nicht so viele Präparate angeboten würden. Es würde nur anders gezählt als etwa in Großbritannien. Dagegen sprach ein Vertreter des ABDA von einer "ungeheuren Arzneimittelvielfalt" in Deutschland. Immerhin räumte auch Yzer ein, dass der Ansatz der Studie "sehr komplex" sei. Sie zeige aber dennoch, wie "unötig regulatorische Massnahmen" seien, die die Regierung im Rahmen ihrer Gesundheitsreform plant.

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