Politik : Wie die Industrieländer schummeln können - AKWs für das saubre Image

Ursel Sieber

Schon mal was von CDM gehört? Noch so ein Kürzel, das auf der Klimakonferenz für Streit sorgt. Hinter CDM verbirgt sich clean development mechanism, was bedeutet: Saubere Entwicklung. Nach dem Kyoto-Protokoll können Industrieländer in Entwicklungsländern ökologische Projekte durchführen und sich die CO2 Minderungen zu Hause gutschreiben lassen. Eigentlich ein recht sinnvoller Mechanismus, der unter Umweltverbänden Zustimmung findet. Jedoch die Gefahr des Missbrauches ist groß. Ein Beispiel: Auch der Export von AKWs in Entwicklungsländer soll neuerdings nicht nur Geld in die Kasse bringen, sondern in den Industrieländern als CO2 Guthaben zu Buche schlagen.

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Ein anderes Beispiel: Die USA möchten sich Wiederaufforstungsprogramme in Entwicklungsländern als CO2 Guthaben anrechnen lassen. Die Missbrauchsgefahr ist auch hier enorm: Jürgen Meier vom Forum Umwelt und Entwicklung befürchtet, dass die Abholzung der Urwälder und ihr Ersatz durch schnell wachsende Produktionswälder dadurch gezielt gefördert würde. Vorstellbar ist also, dass irgendwo in Indonesien aufgeforstet wird, zehn Kilometer weiter aber eine noch größere Waldfläche verschwindet. Auf das Guthaben der Industrieländer angerechnet würde nur die Aufforstung - nicht die Urwaldrodung. Eine Absurdität. Wissenschaftlich umstritten ist außerdem, ob der Wald denn überhaupt als CO2 Speicher taugt.

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Streitpunkt Flugverkehr: Schon 3,5 Prozent der Treibhausgase in der Atmosphäre gehen auf das Konto Flugverkehr. Der Kerosinverbrauch steigt trotz der technischen Weiterentwicklung spritsparender Triebwerke weltweit um vier Prozent jährlich. Und die Emissionen in 10 000 Meter Flughöhe sind vier Mal schädlicher als am Erdboden. Doch bisher sind die Emissionen internationaler Flüge schlicht herrenlos - sie werden in der Emissionsbilanz nicht mit gezählt. Immerhin ist das Thema in Bonn jetzt auf die Tagesordnung gerückt. Wie es gelöst wird, ist unklar. Keiner möchte sich die Emissionen im internationalen Luftraum zurechnen lassen. Denn da sind laut UN-Bericht immense Steigerungen zu erwarten. Die Hälfte aller CO2 Reduktionen wird bis 2012 durch den Klimakiller Flugverkehr wieder kompensiert.

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