Politik : Wie die Truppe stark wurde

Sven Lemkemeyer

Die Wiederbewaffnung Deutschlands war eines der umstrittensten Themen der Nachkriegszeit. Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) hatte sich im Sommer 1950 dazu entschieden, dass Deutschland einen Beitrag zur Verteidigung Westeuropas leisten sollte. Die Opposition und die Mehrheit der Deutschen lehnten nach den traumatischen Erfahrungen des „Dritten Reiches“ und des Zweiten Weltkriegs eine Remilitarisierung Westdeutschlands zunächst entschieden ab. Adenauer setzte sich schließlich durch.

Die Geburtsstunde der neuen deutschen Armee war der 12. November 1955. Die ersten 101 Freiwilligen bekamen am 200. Geburtstag des preußischen Generals und Heeresreformers Gerhard von Scharnhorst ihre Ernennungsurkunden ausgehändigt. Seit dem 1. April 1956 heißen die Streitkräfte offiziell Bundeswehr, drei Monate später wurde aus der Freiwilligen- eine Wehrpflichtarmee. Millionen junger Männer haben seitdem gedient. 1975 kamen Soldatinnen hinzu – zuerst im Sanitätsdienst und im Gesundheitswesen der Bundeswehr. Ab 2001 konnten Frauen erstmals auch den Kampftruppen angehören. Inzwischen machen sie zusammen etwa fünf Prozent der Soldaten in allen Bereichen der Streitkräfte aus, bei einer Sollstärke von zurzeit 256560 insgesamt.

Proteste gegen öffentliche Gelöbnisse oder „Mörder“-Rufe wie noch bei den Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen gibt es kaum noch. Im Gegenteil. Waren in den ersten Jahrzehnten Auslandseinsätze noch undenkbar, nimmt die Bundeswehr inzwischen weltweit an Missionen teil – derzeit mit 6480 Soldaten.

Zu den wichtigsten Einsätzen gehört die Bosnienmission, zu der 1995 erstmals Bundeswehrsoldaten unter Kriegsbedingungen in eine Region außerhalb des Nato-Gebiets geschickt wurden. 1999 nahm die Truppe im Kosovo mit den Nato-Luftangriffen zum ersten Mal seit 1945 an einem Krieg teil. Nach den Terrorangriffen in den USA 2001 schickte Deutschland Soldaten nach Afghanistan, und Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) prägte den Satz: „Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt“. Mit dem Ende des Kalten Krieges und mit neuen Bedrohungen haben sich die Aufgaben grundlegend verändert und das Thema Wehrpflicht ist wieder hochaktuell.

Heute befindet sich die Bundeswehr mitten im Umstrukturierungsprozess – auch angesichts leerer Kassen keine wirklich einfache Angelegenheit. Gefeiert wird trotzdem – und zwar vom 7. Juni an. Denn am 7. Juni 1955 wurde das „Amt Blank“ – die Dienstbehörde des ersten Verteidigungsministers Theodor Blank – in „Bundesministerium für Verteidigung“ umbenannt – seit 1962 Bundesministerium der Verteidigung.

Ein Schwerpunkt der Veranstaltungen ist das Forum Sicherheitspolitik „Impulse 21“, das das Verteidigungsministerium und der Tagesspiegel am 13. und 14. Juni in Berlin veranstalten. Nationale und internationale Experten – darunter Struck und Außenminister Joschka Fischer – werden dabei die Themen „50 Jahre Bundeswehr und deutsche Nato-Mitgliedschaft – 50 Jahre Sicherheit für Deutschland“ und „Die Herausforderungen des Nahen und Mittleren Ostens“ debattieren.

www.tagesspiegel.de/bundeswehr www.bundeswehr.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben