Politik : Wie ein Killer

Attentäter von Frankfurt wollte „Vergeltung“ wegen des Einsatzes der US-Armee in Afghanistan

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Berlin - Im Fall des Anschlags auf US-Soldaten in Frankfurt am Main sind weitere Details bekannt geworden. Aus der Darstellung der Bundesanwaltschaft vom Freitag ergibt sich, dass der Täter Arid U. wie ein Killer gehandelt hat. Der 21-jährige Kosovare kam am Mittwoch auf die Soldaten zu, die vor dem Terminal 2 des Flughafens in einen Militärbus einstiegen. Arid U. bat einen Amerikaner, der vor dem Bus stand, um eine Zigarette und fragte nach dessen Einsatzort. Der 25 Jahre alte Soldat sagte „Afghanistan“, drehte sich um und wollte einsteigen, als Arid U. ihn mit einem gezielten Schuss in den Hinterkopf tötete. Dann stürmte der Attentäter in den Bus, rief „Allahu akbar“ (Gott ist größer), erschoss den 21-jährigen Fahrer und feuerte auf zwei Soldaten im Alter von 21 und 25 Jahren, die schwer verletzt überlebten.

Einem fünften Amerikaner hielt Arid U. die Waffe an den Kopf, doch die Pistole funktionierte nicht mehr, da eine Patronenhülse klemmte. Der Täter floh aus dem Bus, der Soldat lief ihm hinterher. Im Terminal wurde Arid U. von Bundespolizisten überwältigt.

Nach bisherigen Erkenntnissen hat Arid U. alleine gehandelt und gilt als radikalisierter, islamistischer Einzeltäter. Offen bleibt jedoch, woher er die Waffe hatte. Es soll sich um eine Pistole der belgischen Marke „Fabrique National“ handeln. Klar ist das Motiv: Arid U. hat im Verhör angegeben, er wollte Vergeltung für die Beteiligung von US-Soldaten am Einsatz der Nato in Afghanistan üben. Den Entschluss, Amerikaner zu töten, fasste er offenbar, als er wenige Tage vor der Tat im Internet islamistische Videos anschaute, in denen vermeintliche Gräueltaten von US-Soldaten gezeigt wurden, unter anderem eine Vergewaltigung.

Auf Antrag der Bundesanwaltschaft erließ der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof am Donnerstag einen Haftbefehl gegen Arid U. wegen zweifachen Mordes und versuchten Mordes in drei Fällen, in Tateinheit mit zweifacher gefährlicher Körperverletzung. Das betrifft die Schüsse auf die beiden Soldaten, die am Leben blieben, aber weiter „intensivmedizinisch“ behandelt werden, wie Sicherheitsexperten sagten.

Schwierig war für die Ermittler, die Nationalität des Täters zu klären. Arid U. wird nun als „serbisch-montenegrinischer Staatsangehöriger“ bezeichnet, obwohl der Staat Serbien-Montenegro seit 2006 nur noch zum Teil existiert – Montenegro spaltete sich ab – und zudem kosovo-unabhängig ist. In den 90er Jahren kam Arid U. mit Teilen der Familie nach Deutschland.

Die Bundesanwaltschaft verweist auch auf die Mühen, islamistische Propaganda im Internet strafrechtlich zu werten. Im Fall Arid U. ist zu klären, welche Websites auf ihn gewirkt haben. Frank Jansen

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