Politik : Wie man ein Verbot auf gut deutsch macht

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Deutsch sein, wir wissen es, bedeutet, eine Sache um ihrer selbst willen zu tun. Und zwar bis zum Schluss. In diesen Zusammenhang gehört beispielsweise der neue große Airbus. Der wird eben nicht einfach so ausgeliefert, wie die Leute das wollen, sondern wenn er fertig ist, basta. Sollte das zwei Jahre länger dauern, bitte, ist halt ein deutsches Produkt, das wissen die Käufer ja vorher. Ja, französisch ist er auch, machen Sie mir jetzt bitte die These nicht kaputt!

Reden wir lieber übers Rauchverbot. Nein, das Hin und Her ist überhaupt nicht zum Lachen. Wir machen es nur GRÜNDLICH. Stellen wir uns nur mal vor, dass irgendein Kettenraucher, bevor er vor seinen Schöpfer tritt, im Lieblingsrestaurant noch einmal ordentlich inhalieren will – und dann nicht darf. Er geht zu seinem Anwalt, der befindet, dass der Bund mit dem Verbot unzulässig in Landesrecht eingegriffen habe, und das Verfassungsgericht … Wäre eine riesige Blamage geworden. Und deshalb kriegen wir jetzt kein Verbot, sondern Eckpunkte.

Eckpunkte sind das Feldzeichen der großen Koalition. Um ein Bild aus der Tierwelt zu bemühen: Stachelschweine von CDU und SPD würden beim Sex nicht einfach sehr, sehr vorsichtig sein, sondern zunächst Eckpunkte der Annäherung festlegen und dann unverrichteter Dinge einschlafen.

Die Rauchverbots-Eckpunkte besagen: Es kommt ein Verbot in sämtlichen Bundesbehörden, und die Länder sollen sich selbst was einfallen lassen. Zum Beispiel, ob das Rauchen in Diskotheken verboten wird und in Nachtclubs nicht und wie man Diskotheken von Nachtclubs rechtssicher unterscheidet.

Ja, da lachen sie in Irland und Italien und Spanien und den USA, aber sie lachen zu früh. Denn das länderspezifische Rauchverbot wird ein strukturpolitischer Exportschlager. Sachsen-Anhalt und Meck-Pomm beispielsweise könnten die Rolle einer deutschen Raucherzone übernehmen, wo das Qualmen überall erlaubt ist, in der Kirche, im Kindergarten, beim Tanken, egal. Jede Schulkantine gilt als Nachtclub, jedes Altenheim als Bar. Ohne Frage würden sich die westdeutschen Suchtraucher blitzartig um Übersiedlung bemühen und auf feuchten Elbwiesen sowie hinterm Bodden blühende Tabaklandschaften entstehen lassen.

Das wäre schlecht für die Lebenserwartung, aber gut für den Ruf Deutschlands. Die Deutschen, würde es heißen, machen selbst totalen Schwachsinn besser als sonst jemand auf der Welt.

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