Wie Pharmafirmen Ärzte beeinflussen : SPD will Arznei-Studien an Patienten einschränken

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert, Arzneistudien einzuschränken. Hintergrund ist die Praxis, dass Pharmafirmen mit Zahlungen an Ärzte für diese Studien den Absatz ihrer Medikamente ankurbeln wollen.

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Karl Lauterbach, auf einem Archivbild.
Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Karl Lauterbach, auf einem Archivbild.Foto: picture alliance / dpa

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Karl Lauterbach hat schärfere Kontrollen der umstrittenen Anwendungsstudien von Arzneimitteln an Patienten gefordert. Diese so genannten Anwendungsbeobachtungen im Alltag sollten auf das unbedingt notwendige Maß begrenzt werden, sagte Lauterbach NDR, WDR, „Süddeutscher Zeitung“ und dem Recherchebüro Correctiv. Notwendig seien solche Studien, die von Behörden vorgeschrieben seien, um die Sicherheit der Mittel nach der Markteinführung zu überwachen.

Viele dieser Studien führten derzeit zu „Fehlbehandlungen und Geldverschwendung“, sagte Lauterbach. Allerdings sei ein solches Gesetz in der großen Koalition mit der Union nicht durchsetzbar. Doch auch aus der Union kommen inzwischen kritische Töne. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unions-Fraktion, Maria Michalk, sagte: „Wenn sich nichts tut, denken wir über eine verpflichtende Transparenz auch für Anwendungsbeobachtungen nach.“

Die Ärzte bekommen Geld für Studien, sollen dafür aber die entsprechenden Mittel verschreiben

Wie die Recherchen ergaben, zahlten Pharma-Unternehmen Ärzten für die Teilnahme an mehr als 600 solcher Anwendungsbeobachtungen im vergangenen Jahr Dutzende Millionen Euro. Mehr als 150 derartige Studien seien neu gestartet worden. Die Honorare liegen nach diesen Recherchen in der Regel bei mehreren Hundert, manchmal auch bei mehreren Tausend Euro pro Patient. Etwa jeder zehnte niedergelassene Arzt nahm nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung 2015 an solchen Studien teil.

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Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig, kritisierte, bei einem großen Teil der Studien gehe es darum, Ärzten durch das Honorar zur Verordnung bestimmter Arzneimittel zu bringen. Nur ein kleiner Prozentsatz habe einen tatsächlichen Sinn. „Der Großteil dieser Anwendungsbeobachtungen ist eindeutiges Marketing und gehört verboten“, sagte Ludwig.
Die Pharmaindustrie hatte vor kurzem mehr Offenheit versprochen. Ende Juni haben erstmals Pharma-Unternehmen Zahlen zu ihren Zuwendungen an Ärzte veröffentlicht. Konkrete Honorare für umstrittene Anwendungsbeobachtungen sind davon ausgenommen. (dpa/epd)

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