Politik : Wie sieht eine vernünftige Steuerpolitik aus? (Analyse)

Jobst-Hinrich Wiskow

Der Plan ist so simpel, dass man ihn sogar auf einer Papierserviette erklären kann. So lautet zumindest die Legende: Der amerikanische Ökonom Arthur Laffer soll US-Präsident Ronald Reagan einst beim Abendessen aufgezeichnet haben, wie eine vernünftige Steuerpolitik aussieht. Nach der Idee, die Reagan und später im Vereinigten Königreich Premierministerin Margaret Thatcher umsetzten, sind niedrige Steuern aus zwei Gründen gut. Zum einen machen sie die steuerzahlenden Bürger zufriedener. Zum anderen - das mag manchen überraschen - erhöhen sie die Einnahmen des Staates. Denn die Neigung der Bürger, Steuern zu hinterziehen, fällt mit dem Steuersatz.

Die neuen Umfrageergebnisse, die der Bund der Steuerzahler jetzt vorgelegt hat, sind erschütternd, was die Steuer-Ehrlichkeit der Deutschen betrifft. Immerhin jeder zweite Steuerpflichtige würde seine Abgabenlast per Straftat verringern, viele darunter mit schlechtem Gewissen. Darüber kann man sich wundern und die Unehrlichkeit der Menschen gegenüber dem Staat beklagen. Oder man kann überprüfen, wie das Verhalten der Leute zu beeinflussen wäre, ohne dass sie umerzogen werden müssen. Keine Frage, dass in dieser Angelegenheit die Steuerpolitik in der Pflicht steht.

Was sie außer einer Steuersenkung noch tun sollte? Vor allem müsste sie das Steuersystem vereinfachen, um den Eindruck zu zerstören, nur ein paar Kenner der Materie können ihre Last vermeiden. Diese vermeintliche Ungleichbehandlung frustriert viele. Schließlich gibt es Länder in der Europäischen Union, in denen eine Familie ihre Steuererklärung auf einer Postkarte abgeben kann - so ist das im stark wachsenden Irland. In Deutschland dagegen blockiert der Steuerfrust die Dynamik. Deswegen bleibt das Wachstum schwach, geht die Arbeitslosigkeit kaum zurück. Wenn Ideenreichtum sich auch für den Kreativen lohnt und nicht nur für den Fiskus, so zeigt das Bild auf der Dinner-Serviette, dann gewinnt die Wirtschaft an Schwung.

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