Politik : Wie zufrieden sind deutsche Soldaten mit ihrem Job?

Sarah Kramer

Berlin - Der Deutsche Bundeswehrverband (DBwV) hat zum ersten Mal in seiner Geschichte eine umfangreiche Mitgliederbefragung zur Berufszufriedenheit in den Streitkräften gestartet. Dabei geht es beispielsweise um die Belastung bei Auslandseinsätzen, die Vereinbarkeit von Familie und Job, Nachwuchsförderung sowie Aufstiegschancen. Auch die Integration von Soldatinnen und die Unterstützung der Bundeswehr durch Politik und Gesellschaft werden bei der Erhebung thematisiert.

Die Umfrage, die sich an Soldaten aller Dienstgrade richtet und von Wissenschaftlern der Universität Passau ausgewertet wird, läuft seit dem 10. Dezember 2006 und soll noch bis Ende Februar dauern. Wer sich beteiligen will, muss DBwV-Mitglied sein und kann online auf der Homepage des Verbandes die 38 Fragen beantworten. Bislang haben sich rund 50 000 Männer und Frauen an der Aktion beteiligt – rund ein Viertel der DBwV-Mitglieder. „Das ist jetzt schon ein großer Erfolg“, sagt Verbandschef Bernhard Gertz. Erste Ergebnisse sollen spätestens Ende April vorliegen. Diese könnten dann in eine wissenschaftliche Folgestudie einfließen.

„Wir machen diese Umfrage, weil die Stimmung bei vielen Soldaten nicht gut ist“, sagt Gertz. „Die Ergebnisse sollen dem Parlament und der Bundesregierung klarmachen, dass in vielen Bereichen dringend Handlungsbedarf besteht.“ Im politischen Umgang mit der Bundeswehr habe in den vergangenen Jahren zu sehr die Beamtenperspektive dominiert. So erwarte man vom Soldaten etwa die dauerhafte Bereitschaft zum Ortswechsel, erkenne aber die damit verbundenen Konsequenzen nicht an. „Das kann nicht so weitergehen“, sagt Gertz. „Die Rahmenbedingungen müssen den Veränderungen angepasst werden.“ Als Beispiel dafür nannte Gertz das Soldatengesetz, das nach der Gründung der Bundesrepublik in Anlehnung an das Beamtenrecht entstanden und seitdem kaum modifiziert worden sei. Das Gesetz kenne die Begriffe „Verwundung“ und „gefallen“ nach wie vor nicht. „Da besteht erheblicher Nachholbedarf. Wer Soldaten in zum Teil gefährliche Auslandseinsätze schickt, muss auch die Rahmenbedingungen und eine Begriffswelt dafür schaffen“, sagt Gertz.

www.dbwv.de

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