Politik : Wieder Abitur nach 13 Jahren an Gymnasien

Wiesbaden/Kiel/Berlin – Die rot-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen stellt es den Gymnasien frei, wieder zum Abitur nach 13 Jahren zurückzukehren. In einem Schreiben, das am Dienstag allen Schulen zuging, wird ein wissenschaftlich begleiteter Modellversuch angekündigt, an dem eine „begrenzte Zahl“ von Gymnasien ab 2011/12 teilnehmen kann. Bildungsministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) will es den Modellschulen frei stellen, parallel den verkürzten Weg zum Abitur anzubieten oder vollständig auf das „Langsam-Abitur“ umzustellen. Nach Abschluss des Versuchs soll entschieden werden, ob die Doppelgleisigkeit im Schulgesetz verankert wird.

Damit ist Nordrhein-Westfalen das zweite Bundesland, das von einer strikten Verkürzung des gymnasialen Abiturs abgeht: Das schwarz-gelb regierte Schleswig-Holstein befasst sich aktuell mit einer Änderung des Schulgesetzes, das ebenfalls eine Wahlfreiheit vorsieht. In beiden Ländern hatte es zuvor harte Auseinandersetzungen über das so genannte Turbo-Abitur gegeben. Die CDU-Fraktion in Düsseldorf warnte vor einem Zwei-Klassen-Gymnasium. Es reiche aus, dass die Gesamtschulen den 13-jährigen Weg zum Abitur anböten. Zudem richte die Regierung ein „Chaos“ an, wenn sie die Diskussion von vorn beginne.

In Berlin warnte der Verband der Oberstudiendirektoren vor einer Kehrtwende. Die Gymnasien benötigten endlich Planungssicherheit, forderte Sprecher Ralf Treptow. Bundesweit haben inzwischen alle Länder bis auf Rheinland-Pfalz den verkürzten Weg zum Abitur eingeschlagen. Überall gibt es allerdings Bedenken wegen der zusätzlichen Belastungen für die Schüler. sve

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