Politik : Wieder deutsches Schiff vor Somalia gekapert

Berlin - Am Montag haben somalische Piraten erneut ein deutsches Schiff attackiert. Wie die Reederei Beluga Shipping aus Bremen am Dienstag bestätigte, sei ihr Frachter „Beluga Domination“ mit zwölf Besatzungsmitgliedern gekapert worden. Der Übergriff geschah, als in Berlin Reedereivertreter und Gewerkschaften mit dem Koordinator für die maritime Wirtschaft, Staatssekretär Hans-Joachim Otto (FDP), zusammentrafen, um über besseren Schutz vor Somalia zu sprechen.

Viel Neues kam aber nicht heraus. Dass die Reeder mehr Schutz von der Bundesregierung verlangen, war bekannt. Dass die Regierung diesen Schutz zurzeit nicht bieten kann, ebenfalls. Dabei wären die Reeder sogar bereit, für staatliche Hilfe zu zahlen. Die Lage ist jedoch kompliziert. Die Bundeswehr würde die deutschen Schiffe gern unterstützen, das geht aber nach der Verfassung nicht. Die Bundespolizei dürfte zwar helfen. Sie kann es aber mangels Personal und Infrastruktur nicht.

In erster Linie sollten die Schiffseigner sich auch selbst um die Sicherheit kümmern, sagte Otto. Doch die Schutzmaßnahmen der deutschen Reeder, mit 3000 Schiffen die drittgrößte Flotte der Welt, reichen nicht mehr aus. Die Panikräume, letztes Schutzschild der Seeleute, werden von den Piraten neuerdings aufgesprengt. Auch die Fahrten in Konvois schützen nicht ausreichend. Die Kriminellen weiten ihr Plündergebiet derweil weiter aus. Sie operieren seit kurzem vor der Küste des Omans, vor den Seychellen und Mauritius – wo nicht einmal die EU mit ihrer Marine-Mission „Atalanta“ helfen darf.

Die Gipfelteilnehmer wollen nun mögliche Lösungen diskutieren. Mehr als 30 Schiffe mit mindestens 500 Seeleuten sind derzeit in Piratenhand. 2010 zählte die Internationale Seefahrtsbehörde 445 Angriffe und 1181 Geiseln. chw

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