Politik : Wieder Tote bei Angriffen auf Hamas

Premier Hanija: Attacken ein Zeichen der Krise in Israel / Palästinenser beraten über Waffenstillstand

Dschenin/Gaza - Israel hat am Samstag erneut Einrichtungen der Hamas im Gazastreifen angegriffen und dabei mindestens vier Palästinenser getötet. Die Luftwaffe flog dabei innerhalb weniger Minuten fünf Angriffe. Sie galten unter anderem einer der Hamas-Zentralen in Gaza sowie Ausbildungslagern im Flüchtlingslager Schati und in einer früheren jüdischen Siedlung.

Schon in der Nacht zum Samstag hatte die israelische Luftwaffe Ziele in Gaza angegriffen, die in der unmittelbaren Nachbarschaft des palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail Hanija liegen. Die Explosionen hinterließen zwei große Krater im Flüchtlingslager Schati. Fensterscheiben gingen zu Bruch, und der Strom fiel aus. Verletzt wurde niemand. Die israelischen Streitkräfte erklärten, dass Hanija nicht das Ziel der Angriffe vom Samstagmorgen gewesen sei. Erst am Freitagabend war eine Unterkunft von Leibwächtern Hanijas beschossen worden.

Hanija erklärte am Samstag in einer Stellungnahme, die Luftangriffe seien ein Beweis für die politische Krise in Israel. Das palästinensische Volk werde jedoch standhaft bleiben, die Kampagne werde ihr Ziel nicht erreichen. Er forderte den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas sowie arabische und muslimische Länder zum Handeln auf, „um die anhaltenden Massaker zu stoppen“.

Bei den Luftangriffen kamen in den vergangenen zehn Tagen mehr als 40 Palästinenser ums Leben. Israel reagierte damit auf Raketenangriffe der Hamas und des Islamischen Dschihads. Israelische Soldaten nahmen am Samstagmorgen bei einer Razzia im Westjordanland wieder einen Minister der radikalen Hamas-Organisation fest. Erst zwei Tage zuvor waren 33 führende Hamas-Mitglieder im Westjordanland von israelischen Truppen verhaftet worden, darunter ein Minister, zwei Abgeordnete und drei Bürgermeister. Der am Samstag festgenommene Wasfi Kabaha ist Minister ohne Geschäftsbereich. Fünf Soldaten seien vor Sonnenaufgang gekommen und hätten ihren Vater, seinen Computer und Unterlagen mitgenommen, sagte Kabahas Tochter Ryan. Er war schon vergangenes Jahr während einer ähnlichen Aktion für rund einen Monat von Israel festgehalten worden.

Angesichts der Angriffe und wiederholter Raketenbeschüsse der Hamas auf Israel berieten am Freitagabend fünf Palästinensergruppen über einen neuen Waffenstillstand. Er solle zunächst für einen Monat im Gazastreifen gelten und später für das Westjordanland, sagte Ajman Taha, der Sprecher der Hamas. AP/AFP

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