Politik : Wieder Tote bei Anschlägen in Algerien

Algier/Berlin - Einen Tag nach dem schweren Selbstmordanschlag mit mindestens 43 Toten im Osten Algeriens ist das nordafrikanische Land von zwei neuen Anschlägen erschüttert worden. Dabei starben nach Angaben des staatlichen Rundfunks am Mittwoch in Bouira mindestens elf Menschen, weitere 31 wurden verletzt. Zu den Taten bekannte sich wie bei dem schweren Anschlag am Dienstag zunächst niemand. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der EU-Außenbeauftragte Javier Solana verurteilten die Gewalttaten, für die in Berichten der algerische Arm von Al Qaida verantwortlich gemacht wurde. Solana sicherte den algerischen Behörden die Unterstützung der EU zu. Merkel ihrerseits kondolierte in einem Telegramm an die algerische Führung und missbilligte „diesen feigen terroristischen Anschlag“.

In Bouira rund 120 Kilometer südöstlich von Algier explodierte dem Radiobericht zufolge eine Autobombe, der Anschlag richtete sich gegen einen Reisebus, der in der Nähe eines Hotels im Stadtzentrum geparkt war. Ein zweiter Sprengsatz detonierte demnach in der Nähe des Armeehauptquartiers von Bouira. Die Explosionen waren Augenzeugen zufolge hunderte Meter weit zu hören. Der Nachtwächter des Hotels berichtete, die Scheiben des Luxusgebäudes seien zerborsten und durch die Luft geflogen.

Bouira liegt in einem als „mörderisches Viereck“ bezeichneten Gebiet, das an das Rückzugsgebiet von Islamisten des algerischen Arms von Al Qaida grenzt. Die Gruppe Al Qaida im islamischen Maghreb (BAQMI, früher GSPC) hatte sich im Dezember zu den Autobombenanschlägen auf das Verfassungsgericht und eine Vertretung des UN-Entwicklungsprogramms in Algier bekannt. BAQMI ist der erste islamistische Zusammenschluss, der in Algerien Selbstmordattentate verübte, unter anderem auf eine Veranstaltung mit Staatschef Abdelaziz Bouteflika im September. Terrorismusexperten gehen davon aus, dass die Gruppe ihr Einflussgebiet ausweiten und die Sicherheitskräfte durch die Anschläge zu einem Rückzug aus dem Rebellengebiet bewegen wolle.

Kurz vor Beginn des heiligen Fastenmonats der Muslime Anfang September hatten sich in der vergangenen Woche die Gewalttaten in Algerien gehäuft. Am Dienstag hatte ein Selbstmordattentäter beim schwersten Anschlag seit Jahren vor einer Polizeischule 43 wartende Menschen in den Tod gerissen. AFP

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