Politik : Wieder Unruhen in Kongos Hauptstadt

-

Kinshasa - Nach der Präsidentschaftsstichwahl in der Demokratischen Republik Kongo ist es am Dienstag zu neuen Ausschreitungen gekommen. In der Hauptstadt Kinshasa gingen Büros des obersten Gerichtshofes in Flammen auf. Am frühen Nachmittag stieg eine große schwarze Rauchwolke aus dem Gebäude auf. Feuerwehreinheiten der UN-Truppe Monuc halfen der örtlichen Feuerwehr und brachten Mitarbeiter des Gerichts in Sicherheit. Die Flammen waren am Nachmittag unter Kontrolle.

Das Gericht prüft die Beschwerde des unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Jean-Pierre Bemba gegen das Ergebnis der Stichwahl von Ende Oktober. Bembas Partei macht Unregelmäßigkeiten und Wahlbetrug geltend. Laut dem von der Unabhängigen Wahlkommission verkündeten Ergebnis siegte der amtierende Präsident Joseph Kabila mit 58,05 Prozent der Stimmen; Bemba kam demnach auf 41,95 Prozent. Zur Absicherung der Wahlen ist neben der Monuc auch die EU-Truppe Eufor im Kongo im Einsatz. Zur Eufor zählen auch 780 Bundeswehrsoldaten. Sie sollen trotz der angespannten Lage plangemäß am 30. November abgezogen werden.

Ein kleiner Anbau des Gerichts sei abgebrannt, berichtete ein AFP-Korrespondent. Auch das Erdgeschoss des Hauptgebäudes sei betroffen gewesen. Nach einer Dreiviertelstunde stieg weiter Rauch aus dem Gebäude auf, Flammen waren aber nicht mehr zu sehen. Zuvor hatten Anhänger Bembas Teile des Gerichtshofs geplündert und vor dem Gebäude zwei Polizeiautos angezündet. Blauhelmsoldaten vertrieben die Randalierer mit Warnschüssen. Die Unruhen begannen gegen elf Uhr, als die Polizei versuchte, etwa zweihundert Anhänger Bembas zu vertreiben. Diese flohen in Richtung des Sitzes des Präsidentschaftskandidaten. Nach Berichten eines AFP-Fotografen schossen Anhänger Bembas von dort auf die Polizei. Viele der Polizisten flohen, worauf die Bewaffneten neben dem obersten Gerichtshof Stellung bezogen.

Die gewöhnlich am Gericht stationierten Monuc-Panzer griffen zunächst nicht ein. Einige zogen sogar ab. Später verstärkte die Monuc die Bewachung des Gerichts. Rund eine halbe Stunde nach Ausbruch der Gewalt am frühen Nachmittag schien sie die Lage wieder zu kontrollieren. Nach den Ausschreitungen hat die Monuc zur Ruhe aufgerufen. AFP

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben