Politik : Wieder wird ein Wohnhaus völlig zerstört - 50 Tote

Elke Windisch

Die Kette von Terrorakten in Moskau reißt nicht ab. Nachdem bei dem Sprengstoffanschlag auf ein neunstöckiges Wohnhaus im Südosten der russischen Hauptstadt in der Nacht zum Donnerstag 98 Menschen ums Leben kamen, schlugen Terroristen am Montagmorgen abermals zu. Diesmal sprengten sie auf der Kaschirsker Chaussee im Süden ein achtstöckiges Gebäude, in dem über 120 Menschen gemeldet waren. Das Haus wurde vollständig zerstört.

Bis zum Abend wurden etwa 50 Tote aus den Trümmern geborgen. Die Rettungsmannschaften befürchten jedoch, dass sich die Zahl der Opfer mindestens verdoppeln werde. Experten hatten keine Hoffnungen, Vermisste noch lebend zu bergen.

Die Ermittler sind sich weitgehend einig, dass es sich bei den Explosionen am Donnerstag und auch gestern um Terroranschläge handelt. Polizei und Geheimdienst fahnden inzwischen intensiv nach einem 35-jährigen Tschetschenen, der mit Ausweispapieren eines Einwohners der nordkaukasischen Teilrepublik Karatschai-Tscherkessien in Moskau lebt. Der tatsächliche Besitzer des Ausweises soll bereits vor zwei Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sein. Das Phantombild des mutmaßlichen Täters, auf dessen Konto nach Aussagen von Innenminister Ruschailo beide Anschläge und möglicherweise auch das Attentat im dagestanischen Buinakask vom vorvergangenen Sonnabend gehen sollen, bei dem weitere 64 Menschen starben, wird in allen Nachrichtensendungen gezeigt.

Präsident Jelzin kündigte dem Terrorismus den Kampf an. In einer Fernsehansprache sagte er, die Sicherheitsvorkehrungen würden verschärft. Die Streifen der Polizei wurden um 10 000 Beamte verstärkt; sie sollen neben Kraftwerken, Flugplätzen und Gasleitungen die Moskauer Metro und vor allem die Wohnblöcke sichern.

0 Kommentare

Neuester Kommentar