Politik : "Wiedergeborene Sünder": Rabbiner korrigiert Äußerung

epd

Der umstrittene geistliche Führer der ultraorthodoxen israelischen Schas-Partei hat seine äußerst kontroverse Stellungnahme zu den Opfern des Holocaust zurückgezogen. Er hatte am Samstag gesagt, die sechs Millionen Opfer des Holocaust seien "wiedergeborene Sünder" gewesen, die für ihre frühere Schuld bezahlen mussten. Die Äußerungen von Oberrabbiner Ovadia Josef hatten unter der nicht-religiösen Mehrheit in Israel einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

In einer Ansprache erklärte der Geistliche am Sonntagabend, der Mord an sechs Millionen Juden "durch die verteufelten Nazis" werde von allen bedauert. Alle Menschen, die im Holocaust getötet wurden, seien "heilig und rein und echte Heilige" gewesen, erklärte er. Vertreter von Schas bezichtigten die israelische Presse, Josefs Äußerungen "entstellt" zu haben.

Ministerpräsident Ehud Barak, der von Josef als "hirnlos" beschimpft worden war, meinte, die Interpretation Josefs verletze die Gefühle aller Holocaust-Überlebenden und ihrer Kinder. Nach Angaben seiner Sprecherin will Barak aber die Schas-Partei trotz der Äußerungen ihres geistlichen Führers bei der Regierungsbildung nicht ausschließen.

Auch Vertreter des europäischen Judentums bezeichneten Josefs Äußerungen als skandalös und nicht akzeptabel. Die Bemerkungen des Oberrabbiners sprächen nicht für dessen Weisheit, sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel.

Der palästinensiche Sicherheitsminister Jibril Rajoub warf dem Rabbiner Rassismus gegenüber den Palästinensern vor. Der israelisch-arabische Knesset-Abgeordnete Achmed Tibi kündigte an, Josef wegen Verleumdung zu verklagen. In seiner Predigt vom Samstag hatte Josef die Araber als Schlangen und als ein "böses Volk" bezeichnet.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben