Politik : Wiedervereinigung: Südkorea stellt Zugverbindung nach Nordkorea wieder her

Nach fast 50 Jahren Unterbrechung sollen im nächsten Jahr wieder Züge zwischen Nord- und Südkorea rollen. Der südkoreanische Präsident Kim Dae Jung gab am Montag den Startschuss für die Wiederherstellung der Eisenbahnverbindung mit Nordkorea. In der Ortschaft Imjingak sagte Kim, die Bahnverbindung werde dem innerkoreanischen Handel Auftrieb geben, weil sie die Kosten senke. Der Beginn der Reparaturarbeiten ist das jüngste Zeichen der innerkoreanischen Annäherung. Er läute ein neues Zeitalter der Wiederversöhnung, Zusammenarbeit und des Wohlstands ein, sagte Kim bei einer Zeremonie an der innerkoreanischen Grenze.

Die Eisenbahn und die Autobahn führen vier Kilometer weit durch die entmilitarisierte Zone, in der zwar keine Truppen stationiert sind, die aber stark vermint ist. Um die Streckenführung zu räumen, haben beide Seiten mehrere tausend Soldaten eingesetzt. Die Wiederherstellung der Landverbindung wurde im August beschlossen, wenige Wochen nach dem ersten innerkoreanischen Gipfeltreffen. Völkerrechtlich gesehen, befinden sich beide Staaten noch im Kriegszustand; denn nach dem Krieg 1950/53 wurde nie ein Friedensvertrag geschlossen. Die insgesamt 20 Kilometer lange Neubaustrecke der Bahn und die vierspurige Grenzautobahn sollen in einem Jahr fertig sein. Das Vorhaben kostet umgerechnet über eine halbe Milliarde Mark.

In Südkorea wird überlegt, die künftige Bahnstrecke zwischen Seoul im Süden und Sinuiju im Norden, an der Grenze zu China, an das internationale Streckennetz Richtung Europa und Japan anzuschließen. Die koreanische Halbinsel könnte so zu einem Verkehrsknotenpunkt werden, glaubt das Wirtschaftsforschungsinstitut Samsung. Die Bahnfracht werde ein Drittel billiger sein als die Schiffsfracht. Präsident Kim nennt die Bahnstrecke bereits die "eiserne Seidenstraße" zwischen Asien und Europa.

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