WIE FUNKTIONIERT EINE UMSCHULDUNG? : Haarschnitt oder gestreckte Rückzahlung

Neue Regeln

Eine Umschuldung findet statt, wenn sich Gläubiger und Schuldner darauf einigen, die Konditionen von Krediten neu zu gestalten. Der Grund ist meist die drohende oder schon eingetretene Zahlungsunfähigkeit, etwa eines Staates. Bei einer solchen Vereinbarung gewinnen beide Seiten: Der Schuldner wird entlastet, der Gläubiger bekommt immerhin einen Teil seines verliehenen Geldes zurück.

Die sanfte Tour

Es gibt viele Wege zu einer Umschuldung. Eine Möglichkeit ist, dem Schuldner mehr Zeit für die Rückzahlung einzuräumen – dies wird auch als „sanfte“ Umschuldung bezeichnet. Der Rückzahlbetrag bleibt zwar gleich. Die reale Gesamtschuld sinkt allerdings, da der Gläubiger erst ein, zwei oder fünf Jahre später an sein Geld kommt. Der Wert sinkt in dieser Zeit entsprechend, und der Gläubiger kann das Geld auch nicht alternativ für sich arbeiten lassen. Andere Möglichkeiten sind die Senkung der Zinslast oder die zeitweise Aussetzung der Zinszahlung. Sie wirken ähnlich und schmälern letztlich die Rendite.

Die harte Tour

Eine andere Gangart müssen Gläubiger bei einer „harten“ Umschuldung hinnehmen. Dabei wird von ihnen verlangt, auf einen Teil der Kreditsumme zu verzichten. Fachleute sprechen vom „Haircut“ (Haarschnitt) oder vom Schuldenschnitt. Doch warum sollten Gläubiger sich darauf einlassen? Der Schuldner bekommt so eine Perspektive, eines Tages wieder kreditwürdig zu werden. Zudem ist eine Staatspleite anders als eine Privatinsolvenz – ein Land kann nicht gezwungen werden, Eigentum zu verkaufen, um Geld zurückzuzahlen. Und schließlich wollen Banken auch in Zukunft Geschäfte mit einem Staat machen, auch wenn der zeitweise pleite war – dafür gibt es in der Geschichte Dutzende Beispiele. brö

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