Politik : Wien fahndet im Netz nach NS-Größen

Markus Huber

Wien - Zwei A4-Blätter, fünf Fotos, zwei Täterbeschreibungen: Seit Freitagmorgen sind die beiden Blätter auf die Homepage des Wiener Justizministeriums gestellt (www.justiz.gv.at), in der kommenden Woche sollen sie auch in der republikseigenen Tageszeitung, der „Wiener Zeitung“, veröffentlicht werden. Und das ist sie also, die vielleicht aufsehenerregendste Aktion, mit der die österreichische Justizministerin Maria Berger nach zwei NS-Kriegsverbrechern fahndet. Jeweils 50 000 Euro hat das Ministerium als Prämie für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung von Alois Brunner und Aribert Heim führen. Heim war SS-Lagerarzt im Konzentrationslager Mauthausen und soll dort zahlreiche Häftlinge durch Herzinjektionen ermordet haben. Seit 1962 ist er auf der Flucht und wird per internationalem Haftbefehl gesucht – davor praktizierte er in Deutschland ganz legal als Arzt. Sein Aufenthaltsort ist unbekannt, aber es gibt Hinweise, wonach er sich entweder in Spanien oder in Südamerika aufhält. Auch Baden-Württembergs Polizei sucht per Haftbefehl nach Heim.

Noch prominenter ist der zweite Gesuchte: Alois Brunner soll „maßgeblich an der Deportation jüdischer Menschen mit dem Zweck, diese zu töten“, mitgewirkt haben. Er war die rechte Hand von Adolf Eichmann und sogenannter Leiter der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“. Brunner wird in Syrien vermutet, seit er dort im Jahr 1985 der „Bunten“ ein Interview gegeben hat. Die syrische Regierung dementiert seinen Aufenthalt in ihrem Land und hat deswegen alle Auslieferungsanträge der österreichischen Regierung abgelehnt. Markus Huber

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