Politik : Wiener Ministerin Prokop tot

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St. Pölten/Wien - Am Sonntagabend ist Österreichs Innenministerin Liese Prokop völlig überraschend im Alter von 65 Jahren gestorben. Politiker in Österreich reagierten mit Erschütterung auf den Tod der früheren Weltklasse-Leichtathletin, die an einem Riss der Aorta starb. Bundespräsident Heinz Fischer zeigte sich am Montagmorgen in einer Sondersendung des ORF-Fernsehens „sehr betroffen und erschüttert“. Prokop gehörte der konservativen Volkspartei (ÖVP) des amtierenden Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel an. Der Tod der Politikerin könnte nach Meinung von Beobachtern die Verhandlungen über die Bildung einer großen Regierungskoalition weiter verzögern, die in dieser Woche abgeschlossen werden sollten.

Die ehemalige Fünfkämpferin, die nach Medienberichten nie über Herzprobleme geklagt hatte, war am Sonntagabend in ihrem Haus in Niederösterreich zusammengebrochen und noch auf dem Weg zu einem Krankenhaus in St. Pölten an den Folgen eines Aortarisses nahe dem Herzen gestorben. Prokop war seit Dezember 2004 Innenministerin in der Regierung Schüssel. In ihre Verantwortung fielen eine Reihe umstrittener Gesetze zur Beschränkung der Zuwanderung von Ausländern.

Vor ihrer politischen Karriere, die Anfang der 80er Jahre begann, war Prokop eine der erfolgreichsten österreichischen Leichtathletinnen. Bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko gewann sie im Fünfkampf die Silbermedaille hinter der Deutschen Ingrid Mickler-Becker. 1969 stellte sie in dieser Disziplin einen Weltrekord mit 5352 Punkten auf und wurde in Athen Europameisterin.

Die Politikerin, die 24 Jahre lang in der Landespolitik Niederösterreichs aktiv war, galt in der ÖVP als liberal. Sie war eine starke Befürworterin einer großen Koalition mit den Sozialdemokraten. Die ÖVP hatte bei der Parlamentswahl am 1. Oktober eine schwere Niederlage erlitten und musste der SPÖ bei der Regierungsbildung den Vortritt lassen. dpa

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