Wikileaks : Hacker hacken Hacker

Der Hacker David Vincenzetti setzte Millionen mit dem Verkauf von Spionagesoftware an autoritäre Regime um. Jetzt wurde er selbst gehackt.

Katharina Kort
Der Hacker und Unternehmer David Vincenzetti verdient mit Schadprogrammen sein Geld. Seine Remote-Control-Software Galileo ermöglicht es, einen befallenen Computer fernzusteuern und Daten abzugreifen.
Der Hacker und Unternehmer David Vincenzetti verdient mit Schadprogrammen sein Geld. Seine Remote-Control-Software Galileo...Foto: Sebastian Kahnert/dpa

David Vincenzetti ist ein Frühaufsteher. Doch die jüngste Hackerattacke hat den 47-Jährigen mitten in der Nacht erwischt. Der Gründer und Chef des Mailänder IT-Unternehmens „Hacking Team“ hat mit seiner Spionage-Software Regierungen und Geheimdienste auf der ganzen Welt beliefert, darunter auch autoritäre Regime. Immer wieder wurde das Unternehmen deshalb von Bürgerrechtsorganisationen kritisiert. Nun ist „Hacking Team“ selbst ausspioniert worden: Die Enthüllungsplattform Wikileaks hat 400 Gigabyte an Dokumenten und E-Mails veröffentlicht.

Einst gehörte der Hacker zu den "Guten"

In jungen Jahren gehörte David Vincenzetti zu derselben Hackerszene wie Julian Assange, der Gründer von Wikileaks. Er setzte sich für Verschlüsselungstechnologien ein. Doch Anfang der 2000er Jahre wechselte er auf die „dunkle Seite“.

Vincenzettis Firma verkauft die Software Galileo, eine „Remote Control Software“, also ein Programm, das die Fernsteuerung der angegriffenen Computer ermöglicht. Es spielt sich auf andere Computer auf und saugt sämtliche Daten ab, die über die Rechner laufen. Vor allem seit „Hacking Team“ es vor ein paar Jahren geschafft hat, auch Skype-Gespräche abzuhören, ist die Nachfrage nach der Spionage-Software gestiegen.

Was die Lieferungen an Diktaturen und Embargoländer angeht, bestätigt Vincenzetti, dass er seine Programme auch an Russland, Sudan und Äthiopien verkauft hat. Aber er habe den Stecker gezogen, als der Handel mit elektronischen Waffen verboten wurde, beteuert er – die veröffentlichten E-Mails ergeben allerdings ein anderes Bild.

Die Dokumente von Wikileaks zeigen: Vincenzetti verkaufte Spionagesoftware an autoritäre Regime

Zu seinen Kunden gehören unter anderen Saudi-Arabien, Oman und Kasachstan. Aber auch die USA, Spanien, Polen und Ungarn nutzen die Software. Das Pikante an den US-Verträgen: Der ehemalige US-Botschafter in Rom, Ronald Spogli, hält eine kleine Minderheitsbeteiligung an „Hacking Team“.

Nach Tagen des Schweigens hat sich Vincenzetti nun zu Wort gemeldet. In Interviews machte der Unternehmer klar: „Der Böse ist Julian Assange.“ Der Wikileaks-Gründer müsse verhaftet werden. „Er sagt, er macht nichts Schlechtes. Aber er veröffentlicht geklaute Dokumente“, sagte Vincenzetti gegenüber der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“. Der IT-Experte beteuert, dass seine Kunden nach Bekanntwerden des Hackerangriffs „jedes Risiko dadurch minimiert haben, dass sie die Rechner ausgeschaltet haben“. mit Tsp

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